Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Barock, Rokoko und der Neuzeit
Person:
Zimmermann, Max Georg Gensel, Walther
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952401
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3932013
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II. Die moderne Kunst seit dem Zeitalter der französischen Revolution- 
Persönlichkeiten sondern Gehilfen erzogen, die ohne ihn nicht viel mehr als 
Nullen bedeuteten. In München war seine Autorität schon vor seinem Weg- 
gang untergraben. Schon 1831 erfolgte eine Nenordnung der Akademie in der 
Richtung, daß auf das Naturstudium und die Olmalerei das Hauptgewicht 
gelegt wurde, 1834 aber erstand ihm in seinem Schüler Wilhelm Kaulbach 
(1805-1874) ein Nebenbuhler, der 1nit einer ganz anders gearteten Kunst 
seinen Ruhm in den Schatten stellen sollte. Alles was ihm fehlte und was er 
als der wahrhaft großen Kunst unwürdig verabscheute, eignete dieser blende11den 
Künstlererscheinung: außerordentliche Leichtigkeit des Schaffens, flüssige und 
schwungvolle Komposition, durchweg korrekte, gesch1neidige, in den üppigen, leicht 
verhüllten Frauenleibern oft "beriickend sinnliche Formen, angenehme Farben. 
Dabei rechnete Kaulbach aufs glücklichste mit dem starken historischen Jnteresse 
Abb. 443. K. Fr..Lessi11g: Eifellandschaft. Berlin, Natioualgalcrie. 
Nach einer Photographie der Photographiskhe11 Gesellschaft in Berlin. (Zu Seite 543.) 
der Gebildeten und gab statt der tiefsinnig philosophischen oder religiösen Ge- 
danken des Cornelius eine unendliche Mannigfaltigkeit geistTeicher historischer 
Beziehungen 11nd Anspielungen. Bei den Fresken im Treppenhause des Berliner 
Museums (Abb. 442), seinem Hauptwerke, sind nicht nur alle Persönlichkeiten, 
die irgendwie in Zusgm1nenha11g mit den Ereignissen gebracht werden konnten, 
sondern auch die Götter- und Geisterwelt einbezogen. Erst später erkannte 
man, daß so eigentlich alles auseinanderfällt und nur Kaulbachs geschmackvolle, 
wenn auch schen1atische Linienführung eine oberflächliche Einheit herbeiführt. Und 
ebenso-wurde man der innerlichen Hohlheit, ja zuweilen Frivolität seiner Jllu- 
strationen, insbesondere der Goethifchen Frauengeftalten, die lange Zeit in 
keinem deutschen Bürgerhanse fehlen durften, erst spät gewahr. So ist Kauk- 
bUc) das rechte Gegenstück zu Cornelius, an technischen: Können ihm weit über- 
legen, an kiinstlerischem Geiste tief unter ihm stehend.
        

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