Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Barock, Rokoko und der Neuzeit
Person:
Zimmermann, Max Georg Gensel, Walther
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952401
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3931298
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II. Die moderne Kunst seit dem Zeitalter der französischen Revolution. 
ein großer Marinemaler und ein wundervoller Jntcrieurmaler. Niemand hat die melancho- 
lische Stimmung des Herbstes mit feinen umgepflügten Feldern, seinen aufsteigenden Krähen- 
schwärmen eindringlicher geschildert, niemand das zugleich das Herz erhebende und doch 
beengende Gefühl der Unendlichkeit stärker mitzuteilen vermocht. Auch hier sind die charakte- 
ristische Silhouette und das Licht die Hauptelemente, das Kolorit im Grunde genommen 
Nebensache. So kommt es, daß Millets Paftelle und Bleiftiftzeichnungen den Olbildern eben- 
bürtig, ja zuweilen noch überlegen sind. 
Will man dessen inne werden, was MilIet von den anderen Bauernmalern wesentlich 
unterscheidet, so braucht man nur die Werke seines erst vor wenigen Jahren verstorbenen 
Zeitgenossen Jules Breton (1827-1906) neben sie zu halten. Statt des gewaltigen Epikers 
finden wir hier den liebenswürdigen Novellisten. Seine Werke finden beim Publikum viel mehr 
Anklang, weil sie mit den landläufigen Vorstellungen vom ländlichen Leben iibereinftiinmen. 
Aber eben weil sie eigentlich nichts sagen als was man schon weiß, machen sie keinen wahrhaft 
tiefen Eindruck. Noch mehr im Sinne der deutschen Maler der Dorsidyllc sind die Bilder der 
Maler des Elsafses, Gustave Brion n11d Adolphe Jundt, gehalten. 
Guftave Courbet (1819-1877) ist der eigentliche Begründer des modernen Realismus. 
Obwohl er in seiner Frühzeit zuweilen Gemälde wie die Walpurgisnacht, Lot und seine 
Töchter, Lelia (nach dem Roman von George Sand) gemalt hat, hatte er doch von vornherein 
sein Ziel fest im Auge. Jugres und Delacroix ließen ihn ebenso kalt wie Raphael und 
Michelangelo, er studierte wohl die Venezianer, Blumen und Holländer, vor allem aber war 
die Natur seine große Lehrnteisterin, die Natur, die ihm ,,Emotionen gab wie die Liebe". Nach- 
dem er bereits einige gute Porträts und Landschaften ausgestellt hatte, enthiillte sein kriistiges 
Bild: Une Apres-djnee Si O)-nans, vier lebensgroße Männer nach dem Mahle am Tisch 
fiHend, seine großen künstlerifchen Eigenschaften und zog die allgemeine Aufmerksamkeit aus 
ihn. Den Hauptfchlag aber führte er im Salon von 1851, in dem neun Bilder von ihm 
erschienen, darunter zwei Hauptwerke, die Steinklopfer und das Begräbnis in Ornans 
(Abb. 382). Während das erstere Werk, von dem der Sozialift Proud"hon meinte, daß es 
ein Gleichnis aus den Evangelien aufwiege, mit Achtung, ja beinahe mit Wohlwollen auf- 
genommen wurde, entfesselte das Begräbnis einen wahren Sturm der Entrüftung und gewann
        

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