Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance
Person:
Knackfuß, Hermann Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952390
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3925532
7. Die Renaissance in Frankreich. 
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deutlichften an den Hossassaden der Gebäude zum Ausdruck. Wenden wir uns von diesen, frei 
inmitten der Landschaft gelegenen, Schlösfern in die Städte, so finden wir in den dortigen 
Privatpalästen, den .,Hotels", eine Vereinfachung jener Schloßanlagen; auch hier bildet ein 
Hof mit reichen Fafsaden und Arkadenhallen den Mittelpunkt. Das reichste und hervor- 
ragendfte Beispiel bietet das Hotel Ecoville in Caen (1530), dessen vier Hoffasfaden in ihrer 
Verschiedenheit für den Reichtum der dem Architekten zu Gebote stehenden Mittel zeugen. 
Aber auch die nach der Straße liegende Seite ist nicht ungeschmückt geblieben. Durch den 
Schmuck ihrer Straßenfronten zeichne11 sich namentlich die Rathäuser aus, so die Rathäuser 
von Orl(5ans und Beaugency, bei denen Gotik und Renaiffance in reizvollster Weise gemengt 
sind. Das 1871 niedergebrannte Rathaus zu Paris war größtenteils unter Franz I. ge- 
baut worden; die Fasfade wurde erst unter Heinrich 1V., aber nach den alten Plänen aus- 
geführt. Jetzt ist eine Kopie an die Stelle des früheren Baues getreten. Will man das einfache 
Fachwerkhaus dieser Zeit kennen lernen, mit der schmalen, drei bis vier Stockwerke hohen 
Frontseite und dem das Erdgeschoß einnehmenden Einbau für den Kaufladen, so bietet 
Orl6ans die besten Beispiele. Bei den Kirch enbauten hält man am längsten an 
den gotischen Formen fest, da die Kirche das eigenste Gebiet der Gotik gewesen war. In 
Schlöfsern, welche schon starke Anwendung von Renaisfancemotiven zeigen, sind die zugehörigen 
KapelIen immer noch streng gotifch. Anlage und Konstruktion bleibt auch bei großen Kirchen 
bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus die alte, dagegen nehmen Portale und Fassaden 
Einzelformen der Renaissance an. Ter Chor der Kirche St. Pierre in Eaen (1521 von 
Hector Sohier begonnen) hat Pfeiler, die in korinthifche Pilaster umgebildet sind, und die 
Fialen sind antike Kandelaber. St. Eustache zu Paris hat zum erstenmal im Innern 
Pseiler mit Renaissanceformen, außerdem an der Aussenseite korinthifche und dorische Pilaster 
mit Triglyphenfriesen. 
Ehe wir von der Epoche Franz" I. scheiden, müssen wir eines Baues gedenken, der durch 
das Uberwiegen des italienischen Einflusses den Übergang zur zweiten Hälfte des Jahr- 
hunderts vermittelt. Schloß Fontainebleau mit seinen gewaltigen Anlagen von Hösen 
und Gebäuden, nur mit einem Stockwerk und ohne den bekannten Dachapparat, entbehrt 
viel von den Reizen der Frührenaissance; erscheint uns heute langweilig. Viele Hände waren 
Abb. 546. Paris, Louvre, Weftflügel.
        

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