Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance
Person:
Knackfuß, Hermann Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952390
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3924982
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Das Zeitalter der Renaissance. 
keiten. Jedenfalls spielte dabei die bei den Deutschen früher leider so oft zu Tage tretende 
Schwäche mit, das Fremde für besser und vornehmer zu halten als das Einheimische. 
Der Holzschnitg-er Veit Stoß und der Steinmeh Adam Krafft zu Nürnberg hatten bereits 
das Natürliche in der künstlerische1i Darstellung der Erscheinungswelt zu hoher Vollendung ge- 
bracht. Mit ihnen Seite an Seite arbeitete ihr Landsmann, der Erzgießer Peter Vischer 
(gest. 1529), und ihm allein gelang es, mit der Wahrheit in der Kunst das schöne Maß und volle 
Freiheit zu verbinden und die deutsche Pl3iistiF zu; Hochkenaissanci:hemporFuführgis Z? dieser 
3eie a er ge angte au er ert, na em im der 
 Geist Und die Form del.  Kunst k3ekI?k"" 
 geworden waren. Da sur ihn selbst eine italienische 
 Reise noch nicht- nachgewiesen werden konnte, so 
 -  mussen wir vorlaufig annehmen, daß er aus den 
  -Ja  Werken des Jacopo de" 'Barbari, Diirers und an- 
   derer schöpfte, sich durch die Nürnberger Humanisten 
   im Anfangs des neuen Jahrhunderts benuHte er be- 
(     wußt die Gewandung, um die Schönheit seiner 
      schlanken, doch kräftigen Gestalten zu heben, be- 
      Z,     wegte die Körper nach den Grundsähen des Kontra- 
          Post und ordnete kontrastierende Gestalten zusammen. 
 ,   I-    Peter Vischer ist wohl in den sechziger Jahren des 
 .s  J,   15. Jahrhunderts in Nürnberg geboren, wo sein Vater, 
    H Z?  I-IYTIk Meister Hermann von Ulm, 1453 Bürgerrecht cr- 
       YYI worben hatte und eine wohlbekannte Gießhütte besaß, 
E          h.  a-us der l457 das TaufbecFen-der Wittenberger Stadt- 
    H,  kirche  wohl auch dasjenige der Löffelholzkavelle 
       ;   in der Sebalduskirche zu Nurnberg  hervorging. 
           Jm Jahre 1487 übernahm Peter Vischer, der wohl 
-  s      gleich anfangs in die väterliche Gießhiitte eingetreten 
       war, deren Leitung, und bald hob sich ihr Ruf so, 
       daß aus ganz Deutschland, selbst aus Ungarn, Böh- 
 "7 Ei       men und Polen die Aufträge zuströmten. Obwohl 
 ;;T K  Z     der Meister nun viele Gesellen einstellen mußte, ver- 
        säumte er keine Gelegenheit, sich in der Kunst zu 
         vervollkommnen, nnd benuHte die Feiertage, um mit 
   ;  J  F- H!  seinem Freunde, Adam Krafst, das Zeichnen zu üben 
   H -  :  ,,nit anders als wären sie Lehrjungen." Später nahm 
  "  "  der Meister seine fünf Söhne als Gehilfen in die 
   Werkstatt; aber der talentvolle Alteste, Hermann, 
,     starb plöHlich 1516 nach einer italienischen Reise, und 
   bereits 1528 auch der bedeutende zweite Sohn, Peter 
    Vischer d. J. (geb. ca. 1487). Schon im folgenden 
   H-   Jahre, 1529, starb auch der Vater, und nun über- 
nahm der dritte Sohn, Hans, die Leitung der 
Abs-. 502. Peter Vischer: Statne des Apostels Werkstatt. 
Petrus vom Si-baldusgrab in Nürnberg. Unvergänglichen Ruhm hat Peter Bücher 
vor allem das Sebaldusgrab im Ostchor der 
Niirnberger Sebalduskirche eingetragen, das er mit seinen Söhnen zwischen sl508 und 1519 Voll- 
endete. Die eigentümliche Mischung von gotischen und Renaissancemotiven in der Architektur 
des Werkes rührt wohl hauptsächlich daher, daß es im Entwurf weit zurückdatiert (Zeichnung 
von -l488 in der Albertina) und daher die Einzelheiten im Renaissancecharakter ein späteres 
Zugeständnis an den veränderten Zeitgeschmack sind, wobei die künstlerische Verschmelzung 
zwischen dem Alten und Neuen Bewunderung erregt. Den auf einem Unterbau ruhenden 
silbernen Sarg überwölben drei phantastische kleine Kuppeln, die von acht im Grundgedanken 
gotischen Pfeilern getragen werden. Der reiche Schmuck von kleinen Statuen (Abb. 502) und 
Reliess verwendet gleichwertig biblische, antike und allegorische Gestalten, uni den Sieg des 
Christentums zu verkörpern; außerdem beleben eine Fülle munterer Putti, Tiere und zahl- 
reiche Ornamente das Ganze. Der Meister hat sich auch selbst als Statuette angebracht, so
        

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