Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance
Person:
Knackfuß, Hermann Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952390
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3920843
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Vorbereitungen und F-rühzeit der Renaissancekunst. 
sicheren Halt zu geben, konnte der Meister nur von seinen wissenschaftlichen 
Kenntnissen, nicht vom Schönheitsfinn sich führen lassen. Das Erstlingswerk der 
Renaissancearchitektur, wenigstens das zuerst als Ganzes fertig gewordene Ge- 
bäude dieses Stils, war eine Kapelle, die Brunelleschi um 1430 im Kloster- 
hof von S. Croce für die Familie der Pazzi erbaute: ein kleiner, nach den 
vier Seiten gleichmäßig entwickelter Bau mit einer flachen, runden .Kuppel, vor 
dem Eingang eine Säulenvorhalle mit einem Tonnengewölbe, das in der Mitte 
von einem Rundbogen und einer kleinen Kuppcl u11terbrochen wird. Hier sind 
Formen der Antike, rö1nische Säulen, Pilafter, Architrave und Gewölbekassette1i. 
Aber das Ganze hat keinerlei Ähnlichkeit mit einem antiken Werk; es ist eine 
Verwirklichung völlig neuer Baugedanken, eine ganz freie, selbständige Schöpfung 
(Abb. 160). 
Jm Jahre 1425 begann Brunelleschi für Giovanni d"Mediei, den Begründer 
der Macht dieses Hauses, den Bau einer Begräbniskapel"le, die zugleich als Sa- 
kristei dienen sollte für eine neue Kirche, welche die Medici in Verbindung mit 
einigen anderen Familien an der Stelle der im Jahre 1423 abgebrannten alten, 
im 4. Jahrhundert erbaut"en Laurentiusbasilika zu errichten beschlossen. Brnnel- 
leschis ,,alte Sakristei" von S. Lorenzo  so wird sie zum Unterschied von 
der später durch Michelangelo derselben Kirche angebauten ,,neuen Sakristei" ge- 
nannt  ist ein kleiner quadratifcher Raum, über dessen halbkreisför1nig ab- 
schließenden Wänden eine vieleckige Knppel schwebt, mit einer viereckigen Altar- 
nische, die von einem flachen Kuppelgewölbe bedeckt ist. Das Licht fällt von 
oben durch zwölf Rnndfenster in der Kuppel ein. Auch hier sind von der Antike 
nur die Einzelformen genommen; nicht durch sie bekommt der Raum das Wesent- 
liche seiner Schönheitswirkung, sondern durch das feine künstlerische Gefühl, das 
die Verhältnisse bestimmt hat (Abb. 161). Für den Bau der Kirche selbst, der 
gleich nach der Sakristei in Angriff genommen, aber erst nach des Meisters Tode 
11nd vielleicht nicht ganz in Übereinsti1n1nung mit seinem Plan vollendet wurde, 
griff Brunelleschi auf das Vorbild der altchristlichen Basilika zurück. Aber er 
gab den Säulen und Bogen klassische Form und legte nach dem Vorbilde der 
Diokletianischen Bauweise Stücke des zur korinthischen Säule gehörigen Gebälkes 
als Kämpfer auf die Kapitäle. Den Chor ließ er mit einer geraden Wand 
schließen. Dein Mittelschiff, dem Chor nnd den Querarmen gab er flache Balken- 
decken; aber die Seitenschiffe überwölbte er, und zwar, da er das Kreuzgewölbe 
als km die G9tik erinne1-nd verpönte, mit Reihen von Kuppelwölbungen. Die 
Seitenschiffe entlang legte er viereckige .Kapellennischen, mit Tonnenge1völben be- 
deckt, an, nnd mit ebensolchen Kapellen umgab er die Qnerarine.  Eine andere 
Basilika wurde nach Brunelleschis Entwurf, aber erst längere Zeit nach seinem 
Tode, in der Kirche S. Spirito ausgeführt. Ihr Aufbau ist dem von S. Lorenzo 
ganz ähnlich, nur daß die .lkapellen hier halbkreisförmige Nischengestalt haben, 
aber der Grundriß ist anders: n1n das aus dem Mittelschiff, dem Q11erschiff und 
dem geradlinig geschlossenen Chor gebildete Kreuz sind die Seitenscl)iffe mit ihren 
Nischen als eine gleichmäßige Einfassung ganz herumgeführt. Dadurch ist die 
Wirkung der östlichen Teile eine sehr eigentümliche geworden. Der Blick in die
        

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