Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance
Person:
Knackfuß, Hermann Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952390
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3919904
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Der gotische Stil. 
Schönheitssinn darin z1ir Geltung brachte. Wie iii den Holzarbeiten, so zeigt 
sich uns auch iii jedem anderen, selbst unbedeutenden Handwerkserzengnis der 
gotischen Zeit der Willen 1ii1d die Fähigkeit, das Zweckmäf;ige zugleich als etwas 
 Schönes zu gestalten. 
 An erster Stelle sind die Goldschmiede 
 zu nennen, für die es selbstverständlich war, 
 daß ihre Arbeiten, die ja der Natur des Stoffes 
 nach Erfordernisse eines höheren Aufwandes 
 V.  waren, des vornehmsten Aufwandes, der Kunst, 
 nicht entbehren durften. Die Goldschmiede 
 waren Bildner, die in ihren Figure1idar- 
   stelIiingen mit den Steininet;,en nnd den Bild- 
    schnit3;ern wetteiferten. Sie waren auch Archi- 
    tekten, weiin es sich darum handelte, ein kost- 
 I; W)-A bares Gehänse ku1istvoll herzustellen (Abb. 88). 
is- Mit der- Kleinheit des Maßstak-es wächst der 
 Reiz, die Feinheit weiter zu treiben. So über- 
   boten die Goldarbeiter, der Fügsamkeit ihres 
   Stoffes sich hingebe1id, die Bildschnilg,er an 
   Zierlichkeit ihrer architektonischen iiiid ornamen- 
 taleii Erfindungen, wie diese die Steinmetzen 
LUfjjJFJL zu uberb1eten suchten.  
   T  Einen nicht minder hohen Kunftge1iiiß, 
       
 als die in manchem .K1rchenschaH noch zahlreich 
JLgx St-     :   
  ;-X vorhandenen Goldfchmiedearbeiteu gewähren die 
  .   leider nur spärlich erhaltenen Uberbleibsel der 
 Textilkiinst des gotischen Zeitalters. Neben 
  dein ausgebildeten Foriiiensinn, der mit feineni 
z-  Empfinden fiir die Befonderheiten des mehr 
-dgl fNsh,lf.; oder weniger beweglichen Stoffes, die Aus- 
U T-T  drucksweise der höheren Kunst seinen Zwecken 
J T  -T gemäß n1nwandelte, spricht hier die vollendetfte 
    Sicherheit des Farbengefiihls aus jeder Arbeit. 
  H  Was auf dem Webstuhl hergestellt wurde, von 
   den gleichmäßig wiederkehrenden Musterungen 
  der Daniast- und Brokatstoffe bis zu den voll- 
  stäxdigen Gemälkden dJekr ZJ5.;ii1idteppicl)e (Abb. 89), 
im was mit er  a e zum Bild gestaltet 
wurde, von dem einfachen, aus verschiedenfarbigei1 ausgeschnittenen Seide-.nstiickeii 
in kraftvollen Uniris"3linien  der Glasmalerei vergleichbar  zusanimengefetz-ten 
Wappenbildern der Banner, bis zu den kostbaren hochaufgelegten Stickereiei1 aus 
Seiden-, Gold- und Silberfäden, die von der Nadelinalerei gleichsam zur Relief- 
bildnerei übergingen, um Prnnkgewändern den glanzvollsteu Schmuck zu ver- 
leihen: alles ist wirkliche Kunst.
        

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