Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte der Gotik und Renaissance
Person:
Knackfuß, Hermann Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952390
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3919845
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Der gotische Stil. 
gescl)111ackes. Während die verhältnis1näßig seltenen Holzbildwerke aus der Früh- 
zeit des 14. Jahrhiiiiderts, wie das schöne, kleine Standbild der heil. Elisabeth 
in der Elifabethkirche zu Marburg ("Abb. 82) noch den Reiz friihgotischer Anmut 
und Einfachheit zeigen, kommen in den späteren Werken die spätgotischen Be- 
sonderheiten, die Neigung zu einem Überreichtuni der Formen u1id das Betonen 
der ornainentalen Wirkung in stärkster Weise, wegen des handlicheren Materials 
vielleioht noch schärfer als in der Bildhauerei, 
 I zum Ausdruck. Von größter Bedeutung für die 
  Knnstentwickel11ng war das Zusaninienarbeiten der 
,hz  Bildschnitzer 1iiid der Maler. Wenn anfangs die 
 ( Malerei hi;r noch nichts weiter vorstellte als einen 
F; ff  F1li.ltlsIF1ei1  sur be1nalttei cchnitzerci, trag sie 
 A spa i1,.na ) -im sie1zncrs. ii Unze neu igii, in, 
    dann iii weiterer Verbreitung zu hoherer selb- 
  "i   J   
  H; H  standigei Bedeutung angewachsen war ii1id da-unt 
  Hi; W ziigle1ch Richtungen ai1bahnte, die man als ausser- 
 halb des gotischen Stiles liegend zu betrachten 
 pflegt, gleichwertig neben die Schnit3kunst. Sihliesz:- 
 .  J  lich beeinflußte sie ihrerseits diese ihre ursprüng- 
 "if liche Lehriueisterin. Deutschland besitzt in allen 
    Gegenden noch einen großen Reichtiii1i von präch- 
     tigen Altarschreinen. Die Kirchen der Hansestädte 
sjIs"   J an der Ostsee, namentlich die Marienkirche z1i 
  J,  Danzig, bergen iiiischätg,bare Meisterwerke dieser 
  Kunst, die Kirchen Thüringens stehen ihnen 
 T    kauni nach, und manches glänzende Prachtwerk 
  is befindet sich 11i Schwaben. Die Mehrzahl der 
Cz ,s;tsJ"  erhaltenen Werke gehört begreiflicher Weise der 
   späteren Zeit an. 
   Gestalt 11nd Aufstellung dieser Schnit,;altäre 
  1nag als cui zu-hönes Beispiel der Hochaltar der 
   -Kirche zu Tiefenborn ini Schwarzwald veran- 
 fchaulichen, an dem la1it Inschrift die Bild- 
Abb.82. Holzstandbild der heil. Elisabetk) f6hmHerarbm,t Un -Jahre 1468"  Nealerei im 
in de-  zu Marburg. folgenden Jahre vollendet war (At1b. 83). Die 
Scl)nitzereien i1ii Schrein eiithalteii hier zwei 
Darstelluugen übereinander, Kreuzabnahine und Beweinnug Christi, die in- 
haltlich ihre Ergänzung finden i1i deni freistehend in der architektonischen Ve- 
krönung des Ganzen a1igebrachten Krenzigungsbilde u1id die seitlich von einer 
Art Randeinfassung mit einzelnen Heiligenstandbilderii begleitet werden. Die 
Geniälde auf den Flügeln, die die Erzählung der Leidensgeschichte Christi ver- 
vollständigen 1ind die Malerei auf der Staffel, dein den ganzen Aufbau über den 
Altartisch e1nporhebenden Untergestell, gehören im Gegensatz zu den Sch1iitzereien 
einer vorgeschrittenen von der gotischen Stileigenl)eit wieder zur Natiirliihkeit
        

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