Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4364993
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Das Zeitalter der großen Persönlichkeiten. 
lag der heilige Bezirk Olympia. Es war keine Stadt, sondern nur ein Ort für den Kult 
und die Feste. Verschiedene Sagen bestanden unter den Griechen über seine Gründung und 
die EinseZung der Spiele. Den mächtigen Doriern zuliebe wurde ihr Stammesheld 
Herakles als Gründer genannt. Andere Sagen leiteten den Ursprung von der Wettsahrt 
des Oinomaos und Pelops ab. Dem Oinomaos, dem König der benachbarten Stadt 
Pisa, war geweissagt worden, daß er von der Hand seines Schwiegersohnes sterben würde. 
Deshalb forderte er jeden Bewerber um seine Tochter Hippodameia zu einer Wettfahrt 
auf, blieb dabei zurück und tötete den nichts Ahnenden durch einen Lanzenwurf von 
rückwärts. Pelops aber, der aus Lydien herbeigekommen war, davon benachrichtigt, 
beftach den Wagenlenker des Königs, Mhrtilos, daß er ein Rad am Wagen seines Herrn 
löste, so daß dieser stürzte und das Leben verlor. Pelops freite Hippodameia und wurde 
der Nachfolger des Getöteten. Der Peloponnes erhielt von ihm den Namen, und er 
feste zum Andenken an die schicksalvolle Fahrt die olympischen Spiele ein. Jn Wirklich- 
keit aber gehen sie zweifellos auf ein altes Erntedankfest zurück, das lehrt der Zeitpunkt 
-für ihre Abhaltung, anfangs Juli, beim ersten Vollmond nach der Sommersonnenwende. 
Sicher bezeugt sind die ersten Agonen unter dem elischen Herrscher Jphitos. Von 
776 an wurden die Sieger der alle vier Jahre stattfindenden Festspiele regelmäßig aus- 
gezeichnet, und von dem Jahre zählten die Griechen ihre Zeitrechnung nach Olt)mpiaden, 
d. h. nach Zeiträumen von vier Jahren. Jphitos stellte das Fest unter den Schuh des 
mächtigsten Stammes im Peloponnes, der Spartaner; damit war es zunächst ein ge- 
meinsames Fest aller Peloponnesier geworden und wurde bald ein Angelpunkt des ge- 
samten Griechentums. Ein Gottesfrieden ward für die Dauer des Festes verkündet, 
niemand durfte das Gebiet von Elis mit den Waffen in der Hand betreten, auf einer 
ehernen Tafel am Heratempel war diese Verordnung eingegraben. Allmählich dehnte sich 
der geheiligte Friede über Elis zu ununterbrochener Dauer aus. Eine Priesterschaft ver- 
waltete die Heiligtümer. Jeder freigeborene unbefcholtene Grieche durfte an den Wett- 
kämpfen teilnehmen; so streng wurde darauf geaOtet, diese Ehre ausschließlich dem eigenen 
Volk zu wahren, daß später, als die Beteiligung den Römern zugestanden werden mußte, 
die Griechen als Begründung und Entschuldigung die angebliche griechische Abstammung 
der Römer anführten. Erst nachdem Griechenland gänzlich gebrochen war, traten auch 
Barbaren in Olympia auf. Zuerst hatten die Spiele nur einen Tag gedauert, allmählich 
aber dehnten sie sich auf fünf Tage aus. Den ersten Tag füllten die einleitenden Opfer 
und die Vorbereitungen aus, am zweiten traten die Knaben, am dritten und vierten die 
Männer auf den KampfplaH, und diese beiden leHtgenannten Tage schlossen mit Fest- 
gelagen zu Ehren der Sieger. Am fünften Tage war das große Prozessionsopser der 
Sieger und der Festgesandtschaften; ein allgemeines Festmahl im Prytaneion schloß die 
Feier. Dem Sieger lächelte kein anderer Gewinn als ein einfacher Kranz aus den 
Zweigen des heiligen Olbaumes, der innerhalb der Altis bei der WefthalIe des Zeus- 
tempels stand und von dem ein Knabe die Zweige mit goldenem Messer schnitt. Am 
Abend wurden die Sieger aus öffentlicl)e Kosten bewirtet. Sie erhielten aber auch das 
Recht, ein Denkmal ihres Sieges in der Altis errichten zu lassen; jedoch erst nach drei- 
maligem Siege durfte dieses in ihrer Bildnisstatue bestehen. Von dem Ende des 
S. Jahrhunderts an, nachdem die Kunst zu reifen begonnen hatte, machten die Sieger 
häufiger von diesem leHteren Recht Gebrauch. So war die Anordnung dieses edlen, echt 
männlichen Festes. Mit seiner schlichten Krönung jugendlicher Kraft war es eine Ver- 
herrlichung des Lebens, und das wurde darin symbolisiert, daß der Siegeskranz nur von 
einem Knaben geschnitten werden durfte, dessen beide Eltern noch am Leben waren. 
Die Blütezeit der olympifchen Feste fällt zusammen mit der Blüte der griechischen 
Kultur unmittelbar nach den Perserkriegen. Als damals Themistokles zum erstenmal 
nach dem nationalen Kriege die F-estspiele besuchte, erhob sich bei seinem Eintritt ins 
Stadion das versammelte Volk aus allen griechischen Gauen und jubelte dem Sieger von 
Salamis, dem Erretter des Vaterlandes, zu. Dieser Huldigung für den Erfolg der 
Waffen schloß sich ein Jahrhundert später eine cih::1iche Ehk1mg des Phicosopheufüksten 
Platon an.  Die olympischen Spiele haben die Freiheit, ja die Bedeutung Griechen- 
kWd3 lange überdauert. Zuleyt waren sie so heruntergekommen, daß nur noch gewerbs- 
mäßige Gladiatoren, die von Ort zu Ort zogen, auftraten. Jm Jahre 394 n. Chr. 
wurden sie von Kaiser Theodosius als heidnifche Einrichtung verboten, nachdem sie fast 
zwölf Jahrhunderte in ununterbrochener Folge bestanden hatten. Damals wahrscheinlich
        

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