Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4364772
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Das Zeitalter der archaischen Kunst nach Herausbildung des rein Griechischen. 
sprang nur aus seiner Kunstbegünstigung. Wie die Dichter wanderten auch die 
Bildhauer von Osten, von den ionischen Kolonien, nach Athen und übten dort 
ihre Weise der Kunst. Endoios, wahrscheinlich ein Kleinasiate, arbeitete in 
Athen, und von ihm haben wir vielleicht noch heute ein Werk in einem sehr ver- 
stümmelten und abgeriebenen kopflosen SiHbild der Athena, gesunden auf der 
Akropolis. Der größte Zuzug aber kam von den Inseln: aus Samos zog 
Theodoros herbei, aus Chios das Haupt der dortigen Knnstsch11le Archermos, 
andere aus Paros und Naxos. Diesen auswärtigen Bildhauern trat sehr bald 
eine Reihe einhei1nischer an die Seite. Sie lernten von den Jnselkünstlern nicht 
nur den bisher gebrauchten Tuffstein durch Marmor ersehen, wobei sie den parischen 
Marmor vor den attischen Sorten bevorzugten, sondern ahmten die Weise der 
Jnselkünstler so genau nach, daß man die Werke beider nicht voneinander unter- 
scheiden kann. 
Erst die allerneueste-Zeit hat uns genügende Anschauung von der attisch- 
archaischen Kunst gebracht. Bis vor kurzem herrschte in dieser Beziehung noch 
vollständiges Dunkel, aus den wenigen bekannten in Athen und in Eleusis ge- 
fundenen Stücken konnte man kein rechtes Bild gewinnen. Da sollte der 5. und 
6. Februar 1884 einen ganz unerwarteten Aufschluß bringen. An jenen Tagen 
fand man bei Ausgrabungen zwischen dem Erechtheion und der Nordmauer der 
Akropolis nicht weniger als 14 weibliche Statuen, welche bei der Einnahme Athens 
im Jahre 480 durch die persischen Soldaten von ihren Sockeln gestürzt und im 
Persersehutt liegen geblieben waren. Die Statuen, obgleich vom Knie abwärts 
meistens verstümmelt und ohne Hände, waren im übrigen gut erhalten und 
prangten noch im vollen Schmuck ihrer Bemalung. Fast alle Funde zeigten den 
gleichen Typus einer reich bekleideten weiblichen Figur, der in Anknüpfung und 
Weiterentwickelung der auf den Inseln erfundenen Figuren wie das Weihgeschenk 
der Nikandre und die san1ische Statue im Louvre (Abb. 3() u. 3l) entstanden 
war. So außerordentlich der Zuwachs an Denkmälern durch diesen Fund war, 
so waren wir doch nicht im stande, diese Werke sicher zu datieren. Das Nächst- 
liegende war, sie in die Zeit der Pisistratiden zu setzen, da wir von deren Kunst- 
begünstigung Nachrichten hatten. Da sollte im vorigen Jahre bei den Aus- 
grabungen der Franzosen in Delphi abermals ein neues Licht auf diese Epoche 
fallen. Es wurden die Trümmer des SchaHhauses der Athener gesunden, welches 
sie nach der Schlacht bei Marathon als Weihgeschenk zu Delphi errichteten. Zahl- 
reiche Fragmente von den 30 skulptierten Metopen mit den Thaten des Theseus, 
Her-akles und Scenen der Gigantomachie lehrten uns die Stufe der attischen Kunst 
zwischen 490 und 48() kennen nnd bewiesen, daß die Funde der Akropolis zu 
Athen wegen ihrer stilistischen Übereinstimmung in dasselbe Jahrzehnt zu setzen 
sind, also nicht der Zeit der Tyrannen angehören, sondern die Weiterentwickelung 
der damals entstandenen Kunst offenbaren. 
 Alle jene weiblichen Statuen der Akropolis tragen die Gewandung ihrer Zeit und 
gewahren uns einen ungeahnten Blick in die Kostümgeschichte (Abb. 45). Sie sind mit 
Eiter Gewändern übereinander bekleidet: zu unterst mit dem langen ionischen Chiron aus 
-eIUeU- Wien- Sc)IEppe.be1m Gehen aufgehoben wurde; sein einziger Schmuck ist ein 
sEUkMk)kek gSfk1kkkEk SMIfen an der Vorder-seite, an der Taille ist er mit einem schmalen
        

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