Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4364753
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Das Zeitalter der archaischen Kunst nach Herausbildung des rein GrieChischen. 
ausgelassener Freude ins Auge bohren. Wir werden diesen Kennzeichen ionischer 
Kunst noch weiterhin begegnen.  
Von dem zuerst genannten attischen Bild wird durch einen weiten Abstand 
zeitlich und künstleris(h getrennt das Peleus- und Atalantebild (Abb. 44), 
welches erst ganz an das Ende der schwarzfigurigen Stilperiode gehört. 
Der greife Peleus, durch sein graues Haar bezeichnet, und Atalante, wie alle Frauen 
in diesem Stil Von weißer Körperfarbe, ringen miteinander bei den Leichenspielen des 
Pelias. Sie pressen Kopf gegen Kopf und n1it ihrer Linken drückt sie den Kopf des Pelens 
nieder, was dieser durch Festhalten ihrer rechten Hand Vergeblich zu verhindern sucht, und 
wodurch ihr Sieg entschieden ist. Der Niedergeworfene ist wahrscheinlich Meleagros, der 
vorher von Peleus besiegt ist nnd nun erstaunt zusieht, wie seine Geliebte seinen Besieger 
niederzwingt. Links ein Kampfwärter mit zwei Stäben, rechts ein Diener. 
Hier offenbart sich schon eine große Kenntnis des Nackten, die Umrisse des 
Körpers und der Muskulatur sind mit bewußter Sicherheit gegeben, die Gewandung 
ist in geschickte Falten gelegt, man fühlt eine strenge Schulung des Malers heraus. 
Seine Wissenschaft vom menschlichen Körper ist schon bedeutend, wenn auch die 
Stellung und Bewegung noch nicht zur Freiheit durchgedrungen find, sondern 
archaisch bleiben. -Auch geht dieser ganze Stil noch nicht über die strenge Profil- 
stellung hinaus, und wenn Hintergriinde angegeben werden, so begnügt man sich 
mit wenigen Strichen. Das Haupt1nerkmal dieses Bildes, dein vorigen gegenüber, 
ist das Bewußtsein eines Stils und dessen straffe Durchführung. 
Es tritt uns hier die Weiterentwickelung vom Laxen zum Strengen entgegen. 
Wir werden dasselbe auch in der Plastik finden, der wir mit diesem Bilde zeitlich 
und, da die Malerei sich schneller entwickelt hat, noch mehr künstlerisch weit 
voraus geeilt sind. 
Z. Die Plastik strengarchaischen Stils. 
A. Das Muttcrland. 
a. Athen unter den Pisistratiden. 
Von nun an tritt das griechische Mutterland in den Vordergrund, nnd 
zwar siedelt die Kunst in buchstäblichem Sinne von Kleinasien und den Inseln 
nach Griechenland über. Es ist Athen, wohin die Künstler der Kolonien ihre 
Kunstfertigkeit tragen, und wo in ihnen selbst nnd durch ihre Einwirkung eine 
neue Kunstschule entsteht. 
An mehreren Stellen des griechischen Bodens erhob sich im G- J(1h1'hUI1dekt 
eine neue Tyrannis. Lygdamis riß auf Naxos, Polykrates auf Sa1nos die 
Gewalt an sich, in Athen aber schwang sich Pisistratos zur Alleinherrschaft auf, 
behauptete sie mit zweimaligen Unterbrechungen bis zum Tode und vererbte die 
Macht auf seine Söhne. Er war ein genialer Staats1nann, welcher durch seinen 
klugen Blick, seine weise Mäßigung, seine umfassende Bildung nicht nur seine 
Herrschaft befesti.gte, sondern den Grund zur späteren Weltstellung Athens legte,
        

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