Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4364606
Das Zeitalter der archaischen Kunst nach HeraUSbildung des rein 
 Griechischen. 
X. Anfänge der monumentalen Plastik. 
Die ersten Versuche zur Einzeldarstellung der menschlichen Gestalt haben die 
Griechen an ihren Götterbildern gemacht. Jn der ältesten Zeit glaubte man, 
daß die Götter ihren WohnsiH in Bäumen hätten; später verehrte man sie unter 
der Gestalt vom Himmel gefallener Steine, oder das Holz der heiligen Bäume 
Wurde zu geheiligten Pfählen, Balken und Brettern verarbeitet, es bildete sich also 
ein Fetischdienst heraus, wie ihn alle Völker zuerst haben. Die Fetifche wurden 
mit kostbaren Gewändern bekleidet. Nur eine Stelle der Jlias könnte man auf 
direkte Erwähnung eines Götterbildes deuten, wo erzählt wird, daß die troischen 
Frauen der Göttin Athene ein Gewand als Weihgeschenk auf die Kniee legen. Da 
es aber nicht recht möglich ist, diese älteste Statue als ein SiHbild zu denken, ist 
der Ausdruck vielleicht nur bildlich in Bezug auf die wirkliche Göttin gemeint. 
Erst in der Odyssee gehören Tempel zu den notwendigen Gebäuden jeder Stadt, 
und somit hat es auch Götterbilder gegeben. Ein erster Fortschritt bestand darin, 
daß man begann, an den Jdolen die Form eines Menschen anzudeuten, Kopf, 
Brust, die Arme in kleinen Stiimpfen oder fest an den Körper gedrückt, die Beine 
zusammengepreßt und die Augen geschlossen. Das Material dieser Xoana, wie sie 
die Griechen nannten, blieb lange Zeit Holz, schon weil dieses am leichtesten zu 
bearbeiten ist. Bis in die späteste Zeit des Griechentums sind einzelne altehr- 
wiirdige Xocma aufbewahrt worden, sie galten für besonders heilig und wurden 
mit aller erdenklichen Sorgfalt gestiiHt und ausgebessert, wenn das morsche Holz 
zusammenzufallen drohte; wie heute noch die alte Form des byzantinischen Madonnen- 
bildes besonders heilig gehalten, in den Kirchen verehrt nnd in immer neuen Bunt- 
drucknachbildungen auf den Markt gebracht wird. Jetzt sind die alten ?c"oana 
längst in Staub zerfallen, aber kleine Terrakottanachbildungen, welche namentlich 
in Böotien gefunden sind und den Bauern als Hausfetische dienten, zeigen uns 
noch heute ihre Form.  
Diese älteste Periode ihrer statuarischen Kunst hatte die Phantasie der Griechen mit 
fabelhaften Überlieferungen-umkleidet. Sie erzählten von dämonifchen Metall- 
arbeitern, den Daktylen am phrygischen Ida und den Telchinen aus Rhodos, Kreta 
und Cypern. Schon die Namen deuten auf die Erfindung hin, denn Daktylen heißt 
Finger, ihre Einzelnamen bedeuten Hammer, Zange, Ambk-s, A1s da SkammVakek quer 
späteren Künstler wurde Daidalos angesehen, welcher der Sage nach Baumeister und 
Bildhauer war. Seine Bauthätigkeit erstreckte sich ans Kreta, wo er für Minos das 
Labyrinth errichtete, Sicilien und Sardinien. Jn der Plastik soll er den ersten großen 
Schritt zur Belebung der Bilder gemacht haben, indem er die Arme vom Körper und die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.