Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4368067
Die Kunst im Übergang zum eigentlichen Mittelalter. 
Einleitung. 
Es gibt wohl kein untriiglicheres Zeugnis für die Lebenskraft der altklassischen 
Kultur, als ihr mehr als tausendjähriges Nachtöneu in der christlichen Welt. Bis 
in das 6. Jahrhundert haben wir das unn1ittelbare Nachleben griechisch-römischen 
Kunstgeistes verfolgt; wir haben gefunden, daß diese Periode in gewissem Sinne 
Weh zur Antike gehört; ein im ganzen gleichmäßiger Kultur- und Kunststrom 
hatte das ganze ehemalige römische Reich beherrscht. Aber schon während dieser 
Zeit hat sich allmählich eine Veränderung vorbereitet, und zu Ende des 6. Jahr- 
hunderts war sie gänzlich vollzogen, daher ist dieser Zeitpunkt die Grenze zweier 
EPochen. Die Kirche hat sich immer weiter von der apostolischen Einfachheit 
entfernt und war aus einer Macht, die in neutesta:nentlichem Sinne allein in den 
Seelen der Gläubigen lebte, zu einer weltlichen Institution geworden, welche 
danach trachtete, in das Leben der Menschen regelnd und bestimmend einzugreifen, 
ja es zu beherrschen. Viele Dogmen waren in die Kirche eingetreten, welche mit 
den einfachen Lehren Christi nichts zu thun hatten; hartnäckig und zum Teil mit 
großer Erbitterung war darum gekän1pft worden, welche Dogmen allgemein an- 
zU8VkeUnen, welche Kirche die katholische sei. Schließlich wurde die römische 
Kirche die bestimmende. Zu Ende des 6. Jahrhunderts, unter Papst Gregor dem 
Großen  waren Lehre und Kult in allen wesentlichen Punkten so aus- 
gestaltet, wie sie später blieben. Den schärfsten Ausdruck erfuhr das damalige 
Christentum durch das Entstehen und die Ausbreitung des Mönchtums und durch
        

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