Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4367969
blühendem Fleisch bekleidete, ihr ist bezüglich der Kunststufe im C-entralbau etwa die 
Grabkir(he der Constantia zu vergleichen, bei Sau Lorenzo hat in künstlerischer Beziehung 
eine viel intensivere Durchdringung des Stoffes stattgefunden. Daher hat das Gebäude 
auch den Architekten der Renaissance zum bewunderten Vorbild gedient und den Bau von 
Sankt Peter zu Rom infpiriert. Jn der altchristlichen Zeit aber hat es keine Nachfolge 
gesunden. Es war eine einmalige hohe Leistung, die fast wie ein Wunder erscheint, das Werk 
einer tieferregten Kiinstlerseele, eines Meisters, der sich mit dem Kunstgeift, wie ihn die 
Antike kannte, bis zu einem solchen Grade erfüllt hatte, wie es innerhalb der christlichen 
Welt noch nicht der Fall gewesen war.) 
Die großartigste Leistung des byzantinischen Centralbaues hat die neue Hauptstadt 
selbst aufzuweisen. Dort hatte mit dem Jahr 527 ein bedeutender Herrscher den Thron 
bestiegen, Kaiser Justinian, der als ein zweiter Hadrian eine Glanzzeit der Architektur 
heraussührte. Die Hauptstadt allein hatte von ihm sünfundzwanzig neue oder erneute Kirchen 
aufzuweifen, auf alle Provinzen seines Reiches dehnte er seine Bauthätigkeit aus und ließ 
auch zahlreic)e Gebäude zu profanen Zwecken errichten. Das Hauptwerk. seiner Regierung ist 
die Hagia Sophia, die Kirche der göttlichen Weisheit, die erstand, nachdem der frühere 
bafilikale Bau im Jahr 532 abgebrannt war. Die Baumeister waren Jsidoros von 
MiIet und Anthemios von TralIes. Nach einem Erdbeben wurde der Bau von 
dem jüngeren Jsidoros, dem Neffen des ersten Baumeisters dieses Namens, noch Prächtiger 
wiederhergestelIt. Fast tausend Jahre bestand er als christliche Kirche, dann wurde er in 
eine türkische Mofchee umgewandelt und verlor dabei die Pracht seiner inneren Aus- 
fchmückung (Abb. 289 u. 290). Über dem gewaltigen quadratisrhen Mittelraum wölbt sich die 
nicht ganz halbkugelförmige Kuppel mit einer Spannweite von 30 m und in einer Höhe von 
fast 54 m, auf vier mächtigen Pfeilern ruhend. Zwei Seiten des Mittelraumes öffnen sich 
vollständig in halbkreisför1nige Nischen, die bis zur Höhe des KuppelansaZes emporsteigen und 
durch je drei apsis-artige Nischen mit zweigeschofsiger S,äulenstellung erweitert werden. Von 
diesen kleineren Nischen ist jedesmal die mittelste besonders behandelt, die eine als Apsis für 
das ganze Gebäude, die andere ist als Eingang durchbrochen. Auf diese Weise ist ein mächtiges 
Mittelschiff von 72 m Längenausdehnung entstanden. Da die beiden nicht von Nischen 
durchbrochenen Wände des Mittelraume3 (mit Säulenarkaden in zwei Stockwerken geöffnet) 
geradlinig sind, war es leicht, durch geradlinige Umfafsung des Ganzen zwei Seitenschiffe 
(mit E1nporen) herzustellen, wobei die KupPeIPfeileV bis zur Höhe von zwei Stockwerken 
durchbrochen wurden. Die Pfeiler schnüren aber die Seitenfchiffe doch auch so stark ein,
        

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