Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4364429
Neue Anfänge nach der dorischen Wanderung. 
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Fußbekleidung, alles ist genau geschildert. Aber die Wirklichkeit ist nur nach ihrer äußeren 
Erscheinung nachgeahmt, ohne daß der Maler sich Rechenschaft über den organischen Zu- 
sammenhang nnd das Gerüst des Ganzen gegeben hätte. Die Dipylonvase hingegen zeigt 
den Maler als denkenden Künstler. Damit sind die AnsaHspuren zu weiterer Entwickelung 
gegeben. 
Jn den Vasen des geometrischen Stils und besonders in ihren figürlichen 
Darstellungen haben wir das erste Dokument hellenischen Geistes, die 
erste Andeutung dafür, daß er weitblickend, auf Ordnung und Regel bedacht ist 
und alle kleinlichen Mittel verschmäht. Wir ahnen schon, daß die Hellenen 
bei hoher Idealität ausgestattet sind mit dem ruhigen vernünftigen 
Blick für das Reale, einer Vereinigung, welche sie befähigte, die höchsten 
Leistungen auf kiinstlerischem Gebiet hervorzubringen, wie sie der Menschheit 
nicht wieder gelungen sind. 
So erwächst nach der dorischen Wanderung in Griechenland eine einheimische 
Kunst, welche vollständig frei ist von orientalischen Elementen. Aber eine un- 
mittelbare Weiterentwickelung von innen heraus sollte diese Kunst nicht haben, das 
wäre wohl kaum möglich gewesen. Die fertige Kultur des Orients sollte 
ihren Einfluß aufs neue geltend machen, und nach schwerer Arbeit das 
Griechentum daraus bereichert hervorgehen. Es war das große Naturgesetz, daß 
aus dem Tode wieder neues Leben erwächst: bevor die orientalische Kultur gänzlich 
erstarrte und abstarb, befruchtete sie das junge aufstrebende Europa. 
Das hauptsächlich bestimmende Land war Asien. Der Einfluß von dorther 
wuchs in demselben Maße, in dem die griechische Kolonisation Kleinasiens 
und der Küsten des Mittelmeeres fortschritt. Auf eine erste Besiedelung in der 
mykenischen Epoche folgte die Kolonisation in umfangreicherer Weise von der Mitte 
des 8. Jahrhunderts ab, so daß nach Verlauf eines Jahrhunderts das Agäische 
Meer ein griechischer Binnensee geworden war. Aber noch weiter drangen die 
Kolonisten vor, westlich bis zur Mündung der Rhone, östlich bis in das Schwarze 
Meer, ja bis an die Küsten des Asowschen Meeres. Da alle diese Kolonien 
in bewunderungswürdiger Weise ihr Hellenentum bewährten, wurde die spätere 
griechische Kultur durch sie bis an die entferntesten Enden der damals bekannten 
Welt getragen und Griechenland zum geistigen Mittelpunkt des ganzen Mittelmeer- 
beckens. Zunächst aber mußte sich die Griechenwelt gerade durch ihre Kolonien, 
und zwar die kleinasiatis(hen, mit orientalischen Elementen durchdringen. Ja den 
dortigen Siedelungen waren die Griechen eingezwängt zwischen dem Meer und 
den Völkern des Inneren und standen schon wegen des Handels in steter Berührung 
mit den Asiaten. Es lag in ihrem eigensten Interesse, die freundlichen Beziehungen 
zu pflegen. Von Lydien aus, das Ephesos benachbart ist, kamen assyrische Waren, 
bunt gewebte Teppiche, scharlach gefärbte Stoffe, Gold- Und Sj1hekakk,ejten auf 
den griechischen Markt. Von Phrygien aus drangen Reste hetitischer Kunst in die 
äolischen Kolonien der nördlichen Westküste Kleinasiens vor. Rhodos war ein 
vorgeschobener Posten der Dorier gegen die alten Kulturstätten von Cypern und 
Phönifien. Die griechischen Kaufleute der kleinasiatiscl)en Kiistenstädte fuhren bis 
nach Agypten und errichteten im Delta des Nil griechische Handelscomptoire. 
Lydische, assyrische, phönikische, ägyptiscl)e Erzeugnisse des Kunsthandwerks erschienen
        

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