Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4367661
Wandmalerei und Plastik. 
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dienten die Katakomben als Ort für die Beisetzung der Toten. Jn dem körnigen 
Tuffstein von mittlerer Härte, der sich im römischen Boden vielfach findet, wurden lange, 
nach den verschiedensten Richtungen verzweigte Gänge ausgegraben, meist in mehreren Stock- 
werken übereinander. Viereckige, wenig tiefe Löcher in den beiden Seitenwänden dienten zur 
Aufnahme der Leichname,. welche parallel mit der Längenrichtung des Ganges hineingelegt 
wurden, dann ward die Offnung mit einer Platte geschlossen. Ferner befinden sich zu beiden 
Seiten der Gänge größere Räume, eubieu1a, die einer Familie gemeinsam gehörten und 
in deren Nische oder Apsis sich zuweilen das Grab eines Märtyrers befand. Während 
der BeiseHung einer Leiche wurde im Cömeterium die Abendmahlfeier abgehalten; 
daran schlossen sich in FortseHung eines heidnischen Ge-brauches Liebesmahle oder Agapen, 
bei denen unbemittelte Mitglieder der Gemeinde bewirtet wurden. Auch zu eigentlichen 
gottesdienstlichen Versammlungen dienten die Cömeterien, namentlich in den Zeiten 
der Verfolgung. Zu diesem Zweck wurden größere Räume, Krhpten (Abb. 268), geschaffen, 
die aber auch zur Bestattung benutzt wurden. Die größten von ihnen bestanden aus zwei 
Gemächern behufs Trennung der beiden Geschlechter. Ein Teil des Raumes bildete das 
Prcsbhterium, in welchem der Altar sich meist frei erhob, an der Riickwand der dahinter 
befindlichen Apsis stand der Bifchofsstuhl. In kleineren Krt)pten diente als Altar nur die in 
der Apsisnische befindliche, besonders ausgezeichnete Grabstätte eines Märtyrers, über welcher 
sich der Bogen der Nisihe wölbte (Arcoso1ium). Die Krypten und Cubicula hatten in 
der Decke oft eine Ofsnung für Licht und Luft, sonst wurden die Cömeterien durch kleine 
Thon- oder Bronzelampen spärlich erleuchtet. Neuanlagen sind in der Zeit vom 1. bis 
4. Jahrhundert geschaffen worden, von da an wurden nur noch die bestehenden Cömeterien 
erweitert und vielfach neue Gräber zwischen die alten eingeschoben, wodurch eine große 
Zahl von Malereien zerstört worden ist. Mit dem legten Viertel des 4. Jahrhunderts 
wurden die BeiseHungen immer seltener und hörten bald nach der Mitte des folgenden 
Jahrhunderts ganz auf. In den späteren Juhkk)UUdeTkEU des 2VfkFM JUk)kkaUsEUds Plün- 
derte man die Cömeterien nach den Gebeinen der Märtyrer und seit dem 9. Jahrhundert 
gerieten sie allmählich in Vergessenheit, bis sie am Ende des 16. Jahrhunderts wieder 
entdeckt und in der zweiten Hälfte unseres Jah17hUUdekts PkUUVVU EVfVkic)t WUkdEU- Wie 
mit den Ausgrabungen der mhkenischen Epoche GriEc)EUIAUVs des Name STk)ÜSMUUUs- ist 
mit der Aufdeckung der früh-christlichen Grabstätten Roms derjenige de Rosfis auf das 
engste verknüpft.   
Für die Kunst der ersten drei Jahrhunderte sind die unterirdischen Cömeterien 
unsere einzige Quelle; der größte Teil ihres Schmuckes ist damals entstanden, 
später ist nur noch einzelnes hinzugekommen, was für unsere Betrachtung nur 
geringe Wichtigkeit hat. Es sind hauptsächlich Denkmale dekorativer, aber dennoch 
tiefsinniger und tiefinnerlicher Malerei. Die Wände und Decken fast sämtlicher 
Cubicula und Krypten sind damit übersponnen. Ganz im Gegensatz zu der Fabel 
von der Kunstfeindschaft der ersten christlichen Zeit offenbart sich hier dieselbe 
übersprudelnde Dekorationslust, welche in den Häusern Pompejis kein Wandfleckchen 
unbemalt ließ. Da die christliche Religion die Auferstehung des Fleisches lehrt, 
wendeten sich die Christen nicht nur von der heidnischen Sitte der Totenver- 
brennung ab, sondern betrachteten die Gräber als Wohnstätten der Toten und 
schmücken sie wie die der Lebenden, gaben ihnen auch allerlei Geräte, Schmuck- 
und Toilettegegenstände, Münzen u. s. w. mit. Die ganze Anordnung der Deko- 
ration und alles schmiickende Beiwerk ist, wenigstens bei den Decken, aufs engste 
verwandt mit der gleichzeitigen heidnischen Wandmalerei. Jn den ältesten Bei- 
spielen ist der ganze Raum tiberzogen von einem lustigen, ganz naturalistischen 
Rankenwerk, in welchem sich bunte Vögel tummeln; auch später wiederholen sich 
ganz ähnliche Schemata wie an erhaltenen antiken Decken: eine Einteilung in Felder, 
die sich um ein Mittelfeld anmutig gruppieren (Abb. 269). Sogar im Jnhaltlichen 
ist, wie schon angedeutet, das Heidnische nicht ganz verbannt, und es treten Ge- 
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