Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4367264
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Die römische Kunst. 
zwischen den Jahren 63 und 79 n. Chr. entstanden, da in dem erstgenannten Jahr 
ein furchtbares Erdbeben die Stadt heimgesucht hatte. Aber es ist damals doch 
auch eine so große Anzahl früherer Beispiele erhalten geblieben, daß wir die 
ganze Geschichte der pompejanischen Wandmalerei verfolgen können. Nach den 
Forschungen von Ernst Berger hat die Technik die größte Verwandtschaft mit dem 
modernen Stucco lustro. In drei übereinander liegenden Schichten ist ans die 
Wand Marn1orstnck ausgetragen, der nach oben zu immer seiner wird, in der 
obersten Lage ist dem Stuck die Farbe gleich beigemischt. Diese besteht aus dem 
Farbstoff und ,,punischem Wachs", dessen Herstellung uns aus Plinius bekannt 
ist. Das punische Wachs geht mit dem Kalk des Stuckes eine in Wasser nn- 
lösliche Verbindung ein, und daraus erklärt sich die große Haltbarkeit der pom- 
pejanischen Wandbilder. Die verschiedenfarbigen Stuckslächen sind fast immer in 
regelmäßigen viereckigen Feldern nebeneinander geseHt. Fast alle, wenn auch 
noch so reichen Dekorationen lassen sich nämlich auf ganz einfache farbige Grund- 
flächen zurückführen. Diese sind also aus technischen Gründen das Grund- 
motiv der ganzen pompejanischen Dekoration geworden und in allen auseinander 
folgenden Stilen geblieben. Aus diese farbige Stuckunterlage wurde die übrige 
Dekoration erst ausgemalt, und in den späteren Stilen sind dabei die Stellen, 
wo die verschiedenfarbigen Stnckflächen aneinander stoßen, die Nähte, durch auf- 
ge1nalte Säulchen, Gebälk oder eine andere Art von Dekoration verdeckt. 
Jm ältesten, dem sogenannten Jnkrustationsstil, ist die Wandfläche in einen 
SocEkel, eine mittlere und eine obere Zone geteilt. Der Stuck ahmt die Bekleidung mit 
Marmorplatten, wie sie in den reichen griechischen Hiiusern des Orients üblich war, nach 
und zwar in liegenden oder stehenden Rechtecken, deren Farben und Adern nach bestimmtem 
System wechseln. Der obere Abschluß des mittleren Teiles ist oft wie das Gebälk eines 
Tempels gestaltet. Der oberste Wandstreifen ist meist eine einfarbige gleichmäßige Fläche. 
Bei dieser Dekorationsart wurde mit Vorliebe der Fußboden mit großen Mosaikgemälden 
geschmückt, weil das Mosaik zu der monumental gedachten Wandbekleidung trefflich paßte 
und Gelegenheit gab, figürliche Darstellungen, die man nicht gern entbehrte, anzubringen. 
 Nach der Eroberung durch die Römer kam der Architekturstil auf. Man empfand 
die Enge der Zimmer als drückend und suchte sie für den Eindruck durch perspektivisch 
gemalte Architekturen zu erweitern. Die Dreiteilung der Wand blieb bestehen, aber nur 
die Vorderfläche des Sockels wurde in der Wandebene liegend gedacht, der mittlere Teil 
der Wand wurde perspektivisch hinter gemalte Säulen oder Pfeiler zurückgeschoben und 
mit einem Mittelbilde geschmückt. Oft war er als Mauer gedacht, über welche man 
hinwegsehe11 konnte, und dann war in dem oberen Wandteil der Blick in andere Zimmer 
oder in den Himmelsraum fingiert. Dabei aber wird die Erreichung jeder wirklichen 
Illusion absichtlich vermieden. Bei diesen beiden Stilen sind die Farben noch nicht reich 
und glänzend. Jn der leHten Zeit des Architektur-stiles sinkt die gemalte Architektur zur 
Umrahmung des Mittelbildes herab.  Um die Zeit von Chr. Geb. wird diese Um- 
rahmung des Mittelbildes rein ornamental, die architektonischen Glieder werden spielend 
schlank und das Ganze löst sich allmählich in den ornamentalen Stil auf. Aber noch 
immer ist die Dreiteilung geblieben. Die Wand ist jedoch wieder zu einer einheitlichen 
Fläche geworden, auf welche das Ganze nur zierlich spielend, aber sehr sorgfältig auf- 
gemalt ist. Jm obersten Streifen sieht man in der Regel in Architekturen, die wie aus 
Holzstäbche11 aufgebaut scheinen. Die Färbung ist unterdessen lebhafter geworden und 
nimmt von unten nach oben an Heiligkeit zu, weil die Zimmer das Licht von unten 
durch die geössnete Thür empfingen.  Nach der Mitte des 1. Jahrhunderts begann 
man wieder zurückzugreifen auf den architektonischen Stil und seinen ungeheuren Vorteil, daß 
er die Räume scheinbar erweiterte, aber in ganz anderer Art, welche viel von dem ornamen-
        

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