Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4366879
Die Plastik der hellenistischen Epoche. 
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Die neue Blüte knüpfte sich hauptsächlich an zwei Staaten, an das kräftige 
pergamenische Reich in Kleinasien und an den Freistaat Rhodos, der 
durch seinen Handel reich geworden war. Aber auch anderwärts sind in diesen 
Kreis gehörende Kunstwerke entstanden. Jenen Staaten genügte die poetisch- 
idyllische Kunst nicht; für die erhabenen Götter aber war der Kreis der Dar- 
stellung schon früher erschöpft, daher nahm man die Elemente des Heroischen 
und Historischen, welche schon in Lysipps Schaffen gelegen hatten, auf und 
bildete sie weiter aus. Wenn solche Aufgaben auch wohl nicht die einzigen dieser 
Kunstschulen gewesen sind, so waren sie doch das Neue, was sie hervorbrachten, 
und machten ihren Hauptruhm aus. Auch hierin wirkte das Auftreten Alexander-s 
nach, denn der König hatte sich gern mit Achill verglichen, er führte die Jlias 
beständig bei sich und hatte auf der Stelle von Troja tagelange Spiele zu Ehren 
des Heros abgehalten. Die Erscheinung und die Thaten Alexanders selber waren 
vheroisch, und seitdem waren noch manche Großthaten geschehen, die an das Helden- 
alter der Nation erinnerten. Die poetisch-hellenistische Plastik war in dem Herab- 
ziehen des Göttlichen ins Menschliche bis an die äußerste Grenze gegangen, jeHt 
schlug man den u1ngekehrten Weg ein: durch Alexander war menschliche Größe 
aufs neue geweiht worden, und so steigerte man das Menschliche ins Heroische. 
Schließlich kam es so weit, daß man in der zweiten pergamenischen Kunstschule selbst 
die Macht der Götter am besten durch eine Auffassung auszudrücken glaubte, 
welche sich mit derjenigen der Herden deckte. Dabei ging es, mit wenigen Aus- 
nahmen, die aus unmittelbarem, künstlerischenI Empfinden geboren sind, ohne 
Eklekticismus nicht ab, ja es entstanden Kunstwerke, deren größtes Verdienst in 
der verständigen Benutzung von Vorbildern besteht, und andere, welche sich lediglich 
durch ihre eingehende anatomische Kenntnis des menschlichen Körpers auszeichnen. 
Mögen die Kunstwerke nun historische Gegenstände behandeln, mögen sie eklektisch 
in dem einen oder dem anderen Sinne sein, der Zug nach dem Heroischen geht 
durch alle hindurch; das Heroische ist an Stelle des früheren Erhabenen getreten 
und wurde wahrscheinlich oft dafür gehalten. 
Die pergamenische Kunst unter Attalos I. 
Das Heroische begann mit dem Historischen und knüpfte so in gesunder 
Weise an die unmittelbare Wirklichkeit an, ja die Spuren des späteren Heroischen 
sind darin nur insofern enthalten, als sie der Gegenstand von selber mit sich 
bringt. Diese erste Neuschöpfung war dem pergamenischen Reiche, der Haupt- 
macht in Kleinasien, vorbehalten. Es war etwas Neues, denn die pergamenischen 
Gallierdarstellungen unterscheiden sich schon der Aufgabe nach sehr wesentlich von 
dem Historischen in der Kunst Lysipps. Wieder war es, wie bei der ersten Kunst- 
blüte, eine nationale Großthat, welche den Keim legte. Gallische Vsolkerscharen 
waren schon zu Beginn des 3. Jahrhunderts erst in Italien, dann in Griechen- 
land eingebrochen und von den Hellenen nur mit Mühe zurückgeschlagen worden. 
Dann seHten sie im Jahre 277 nach Kleinasien über und machten sich die 
dortigen Länder tributpflichtig. Der Held, welcher sie ein für allemal zurück- 
schlug und in feste WohnsiHe in der nach ihnen benannten Landschast Galatien
        

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