Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4365201
Das Zeitalter der großen Persönlick)keiten. 
Auge und ordnen sich klug der spartanischen" Führung unter. Das trug ihnen 
herrliche Früchte, denn alle ionischen Kolonien schlossen sich in heller Begeisterung 
an die Mutterstadt an, und es entstand der delische Bund, der so folgenreich für 
die Macht Athens geworden ist. Als die Spartaner sich lange vom Kriege zurück- 
gezogen haben, verfolgen die Athener und ihre Bundesgenossen den Feind bis an 
seine Küsten und verleiden ihm aus immer die Wiederkehr. 
Jn mii(htigen Umrissen hebt sich vom leuchtenden Grunde dieser Zeit die 
Gestalt des Aschylos ab. Sieben Jahre nach der salaminischen Schlacht bringt 
er seine ,,Perser" auf die Bühne, in denen er die weltgeschichtliche That seine1n 
Volke noch einmal vor Augen führt. Welchen Eindruck mußte die gewaltige 
Dichtung auf die im Theater versam1nelten Männer machen, die alle bei Mara- 
thon oder wenigstens bei Salamis mitgekämpft, und die wußten, wie sehr der 
Dichter selber sich in den Schlachten ausgezeichnet hatte! Vom Erfolg seiner 
dichterischen Werke schweigt die Grabschrift, welche Aschylos für sich selber ver- 
faßt hat, und frohlockt nur über seinen Ruhm in der marathonischen Feldschlacht. 
Was hatte das Vaterland von solchen Männern zu erwarten! 
Wie dreifach lieb und wert war dem Volk der heimische Boden geworden, 
nachdem es ihn schon verloren geglaubt und auf den Schiffen stehend die ver- 
nichtenden Flammen von der Akropolis hatte aufsteigen sehen. Fortan hallen alle 
Dichtungen wieder vom Preise seiner Schönheit, von der unvergänglichen Liebe 
zum attischen Vaterlande. In klingenden Rhythmen singt Sophokles (,,Odipus 
auf Kolonos" 668-717, übersetzt von W. Amelung): 
Zur Flur, die im Schmucke der Rosse prangt, 
Zum Herzen des Landes bist du gelangt, 
Zum glänzenden Hain des Kolonos: 
Wo in grünenden Schluchten die Nachtigall 
Mit dem süßen, dem klagenden Liederschall 
Hinflattert von Zweigen zu Zweigen. 
Wo dunkel der Epheu am Felsen rankt, 
Und schwer von Früchten das Weinlaub schwankt, 
Die heilige Rebe des Gottes, 
Wo ewiger Schatten dem Sonnenbrand wehrt, 
Kein Sturmwind den wonnigen Frieden stört, 
Wo Bakchos einherzieht freudenbethört 
Jm Ehore der göttlichen Ammen! 
Ewig unterm Tau des Himmels 
 Blüht Narkifsos schöngeringt, 
Der die hehre Stirn Demeters, 
Koras zartes Haupt umschlingt; 
Goldig strahlend sprießt daneben 
Krokos aus der Erde Schoß, 
Und die Silberquellen murmeln 
Unerschöpft und schlummerlos, 
Lustig irrend, von der Strömung 
Des Kephisos abgesandt, 
Der, den Wolken rein entsprossen, 
Wollt durchs breitgeflurte Land; 
Und es fehlen nicht die Musen, 
Nicht ihr Reihentanz und Lied, 
N1Tk)t Kythere, die mit goldnen 
Zügeln durch die Lande zieht.
        

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