Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters bis zum Ende der romanischen Epoche
Person:
Zimmermann, Max Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952388
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4365111
Die Plastiker des Übergangs- 
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abgewandt; beide den Helm auf dem Haupt und sich auf ihre Speere stüHend; Oinomaos 
eine Chlamys leicht um die Schultern geworfen, Pelops vollkommen nackt, den Schild 
am linken Arm. Ein Olt)mpiafahrer hatte ihm später einen goldenen Panzer geftiftet; 
an den Hüften sind noch die Löcher für den AnfaH des Behanges zu sehen. Oin-means 
in seiner Stellung herausfordernd, Pelops eher nachlässig, voll sicherer Zuversicht. Neben 
erfterem steht seine Gattin Sterope, in matronaler Gewandung mit senkrecht niedergehenden 
Falten, Sie wendet sich von ihrem Gatten weg den Pferden zu und zieht, augenschein- 
lich eine Verlegenheitsbewegung des Künstlers, das Gewand über die Schulter. Ihr 
entspricht zur Seite des Pelops ihre Toäzter Hippodameia in bewegter fallendem, leichterem 
Gewande, die Arme übereinander gelegt und die Linke nachdenklich gegen das Kinn er- 
hoben. Leider ist von ihrem Kopf nur ein kleines Stück des Schädels erhalten. Zu 
beiden Seiten folgen die Viergespanne der Helden -vor den nicht erhaltenen Bronzewagen. 
Vor jedem Gespann siht ein Pferdeknecht. Der1enige des Oinomaos wendet sich in 
schöner Bewegung zu den Pferden empor und faßt ihre Zügel, der Diener des Pelops 
aber, ein nackter, knabenhaster Jüngling, sitzt mit einem untergeschlagenen Bein in sich 
versunken da und spielt mit der Linken an den Zehen seines Fußes. Er hat seine Arbeit 
gethan, denn die Zügel sind den Pferden schon über den Rücken gelegt und der hinter 
dem Wagen knieende Lenker und ein Knabe sind im Begriff, sie zu entwirren. Der Wagen- 
lenker des Oino1naos dagegen auf der anderen Seite fiHt unthätig da, Böses sinnend, es ist 
der von Pelops bestochene Mhrtilos (Abb. 65), eine so naturalistifch charakterisierte Gestalt, 
wie sie die griechische Kunst erst sehr viel später wieder gebildet hat. Es ist ein alter Mann, 
unordentlich liegt das Gewand um den Unterkörper, der nackte Qberkörper ist fett und 
zeigt häßliche Falten. Das Gesicht hat grobe Züge und tückischen Ausdruck, die Stirn 
verlängert sich nach oben in eine Glahe.. Hinter Myrtilos kniet in schönem Kontrast zu 
ihm ein zartes, unschuldiges Mädchen, eine Dienerin des Hauses. In den beiden Ecken 
liegen zwei Gestalten, welche die Führer von Olympia dem Pausanias wohl irrtümlich 
als die Flüsse Alpheios und Kladeos erklärt haben. Sie sind eher einfache Zuschauer, 
deren Stellung sehr wenig gewählt ist. 
Ganz anders ist die Komposition des hinteren Giebels (Abb. 62 und 64). Vorn 
ist alles Ruhe und langweilige Nebeneinanderftellung, im hinteren Giebel dagegen tobt 
der wildeste Kampf. Es ist die Hochzeit des Peirithoos, des Königs der Lapithen, mit 
Deidameia, bei welcher die Kentauren sich berauschten und versuchten, den Frauen der La- 
pithen Gewalt anzuthun, bis sie in wildem Kampfe von den Lapithen verjagt und getötet 
wurden. Dieser Gegenstand ist häufig an Tempeln dargestellt worden und veranschaulicht 
den Sieg der Kultur über die rohe Gewalt; die Künstler reizte er besonders deshalb, weil 
er so fruchtbare Abwechselung bot zwischen den mehr oder weniger nackten edlen Männer- 
gestalten der kämpfenden Griechen, den Pferdeleibern, derb menschlichen Oberkörpern und 
halb tierischen Gesichtern der Kentauren und den reich gewandeten Frauen, alles in wildefter, 
vielfach verschlungener Bewegung. Auch in diesem Giebel stand in der Mitte ein Gott, Apoll, 
den ausgestreckten Arm und den Kopf nach rechts wendend, den Lapithen Sieg gewährend. 
Die göttliche Nacktheit seines Körpers tritt um so schöner hervor, als sie eingerahmt wird 
von den zu beiden Seiten niederfallenden Enden der Chlamhs. Rechts und links von 
ihm folgen je drei Gruppen, von denen je zwei aus drei Figuren bestehende je eine zwei- 
figurige einschließen. In den dreifigurigen Gruppen hat der Kentaur eine Frau er- 
griffen und wird von einem Lapithen bedrängt, während er sich in den zweifigurigen 
einen schönen Knaben oder Jüngling als Beute ausersehen hat. Die dreifigurigen Gruppen 
entwickeln sich in die Breite, indem die Pferdeleiber der Kentauren parallel zur Bild- 
fläche stehen, die zweifigurigen in die Tiefe mit nach hinten gestellten perspektivisch ver- 
kürzten Pferdeleibern. Sehr geschickt ist die Senkung des Giebelraumes nach den Seiten 
für fester ineinander geflochtene Gruppen benuht, die in der HiHe des Kampfes in die 
Kniee gesunken sind. Den Abschluß an beiden Seiten bilden je zwei auf Kissen vom Ge- 
lage her ausgeftreckte Dienerinnen, von denen die inneren lebhaft erregt, die äußeren ge- 
lassen dem Kampf zuschauen; so klingt die Bewegung nach beiden Enden allmählich aus. 
Mit größter Erbitterung wird der Kampf geführt und höchst natürlich ist die derbe Akt 
des Angriffs und der Abwehr. IN den Gruppen zunächst der Mitte haben die Kentauren 
ihre Beute mit den Vorderfüssen umklammert, Deidameia in der Gruppe rec)ts hat 
Haar und Bart des Kentauren ergriffen und drückt seinen Kopf zurück, die andere Frau 
iUk!)t die Hand des Kentauren von ihrer Brust zu lösen. Die -beiden rettenden Jünglinge,-
        

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