Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stadtkrone
Person:
Taut, Bruno Scheerbart, Paul Baron, Erich Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952358
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3914727
selbst in ihnen trat das Rathaus nicht an die erste Spitze. Dem modemen 
Gefühl liegt es ganz fern, der Stadtverwaltung eine solche Bedeutung gegen: 
über dem Staatsganzen einzuräumen. 
Bei dem Aufflackern der nationalen Empfindungen infolge des großen 
Völkermordens wäre es vielleicht der Staatsgedanke, der geeignet wäre, 
Ausdruck des höchsten Bauwillens der neuen Stadt zu sein. Im Altertum 
verquickte sich der Staatsgedanke so eng mit der Religion, daß die Akros 
polis oder das Forum mit Tempeln gleichzeitig Sitz der höchsten Gerichts: 
barkeit, des Areopags, der höchsten Behörden war. Eine Nachahmung dieser 
Verhältnisse würde heute aber nichts als Nachahmung sein und unser Volks: 
leben nur um einen weiteren Imitationsirrtum bereichern. Überzeugt von 
der Bedeutung des Staatslebens werden wir es doch nie mit sakralem Glanze 
umgeben können. Unser Gefühl und unsere Dankbarkeit dem Staate gegen: 
über beruht darauf, daß er es uns durch seine gute Einrichtung möglich 
macht, der Vertiefung in unsere Lebensaufgabe und Hingabe daran zu leben. 
Er ist der Sammelbegriff für alle dadurch erzeugten Werte und existiert nicht 
über oder außer uns, sondern in und unter uns. Alexander von Gleichen: 
Rußwurm sagte am 5. Februar 1916: wDas Ideal des deutschen Staatsbürgers 
bestand in letzter Zeit immer mehr darin, den Staat für sich denken zu lassen, 
dem man es wahrlich nicht verübeln kann, daß er sich schließlich des Denk, 
mechanismus bemächtigte. Sollen wir aber nur für den Staat erzogen werden? 
Dieser Gedanke eines durchgreifenden Drills aller gilt der Welt als das 
deutsche Ideal, aber er ist nicht das deutsche Ideal. Der Staat ist nach unserer 
Auffassung nicht Selbstzweck, organisierte Macht, sondern ein Gebilde mit 
der Aufgabe, den Interessen aller Staatsangehörigen zu dienen, die ihrerseits 
das Recht haben, über die Erfüllung dieser Aufgabe zu wachen und die 
Tätigkeit der Organe zu kontrollierenx Und Nietzsche schreibt in wScho. 
penhauer als Erzieherm: rAlle Staaten sind schlecht eingerichtet, bei denen 
noch andere als die Staatsmänner sich um Politik bekümmern müssen, und 
sie verdienen es, an diesen vielen Politikern zugrunde zu gehenm: 
Diese Auffassung vom StaatsbegriE findet ihren deutlichen Ausdruck darin, 
wie sich die Staatsbauten in das Stadtbild einfügen. wDie Stellung der Staats: 
bauten hat sich gegen früher wesentlich geändert. Im Altertum und zum 
Teil noch im Mittelalter war jede größere Stadt ein Stadtstaat. Staatliche 
Bauten waren städtische Bauten. Staatswohl war Stadtwohl. Die Eigenart 
der öffentlichen Bauten war durch die örtliche Begrenzung gegeben. Seit: 
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