Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stadtkrone
Person:
Taut, Bruno Scheerbart, Paul Baron, Erich Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952358
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3914694
sehr weit gezogen waren, damit sich bei Belagerungen die Landbevölkerung 
hierhin flüchten kann, das bleibt immer das Gleiche. 
Wie mußte es sich nun plötzlich umwandeln, als sich der wirtschaftliche 
Aufschwung mit dem Anwachsen des Verkehrs durch die Eisenbahn in 
rauschhafterWeise vollzogl Mietskasernen, Fabriken, Geschäftshäuser kleb: 
ten sich daran und drohten den alten Kern zu ersticken, der dennoch immer, 
trotz des riesenhaftesten Maßstabes der Ausdehnung, der wahre Kern gea 
blieben ist. Eine Unklarheit, ein Durcheinander in den Begriffen der Stadt: 
planung mußte entstehen, da ein Zusammenfassen des Alten und Neuen 
nicht mehr möglich war. Schließlich aber, nach allzu langer Zeit, erkannte 
man die Haltlosigkeit des chaotischen Zustandes. Doch unmöglich, in ab: 
sehbarer Zeit einen solchen Augiasstall von Kulturlosigkeit zu säubem! 
Die Verwahrlosung aller grundlegenden Begriffe über das Bauen hatte eine 
allzu große Macht erhalten. wDas Paradies, die Heimat der Kunstm ver: 
schwand und es war ßdie Hölle, die Heimat der Machtsuchtßr (Scheerbart) 
gekommen. Ihre Erscheinungsformen standen freilich in schönster Harmonie 
zu ihrem Wesen, nach den Gesetzen der Natur, welche immer die Einheit 
von Inhalt und Form herbeiführt. Die wildesten Mietskasernenviertel, ja 
jedes einzelne Haus steht danach immer, wie häßlich es auchlsein mag, in 
Harmonie zu dem Leben, das sich in ihm abspielt. Und käme nun ein Gott 
und stellte plötzlich das herrlichste Viertel hin, so würde sich nach und nach 
auch das Leben in solchen neuen Häusern nach ihnen richten. Aber es ges 
hörte wirklich ein Gott dazu. Die wenigen Menschen, die die Trostlosigkeit 
und Häßlichkeit dieses materialistischen Daseins empfanden, konnten nur 
langsam schürfen und, von einzelnen Teilgesichtspunkten ausgehend, nach 
einer Neuordnung der Dinge suchen. 
DIE NEUE STADT 
Zunächst versenkte man sich in romantischer Liebe in die Schönheit der 
alten Stadtbilder und suchte durch Studium der einzelnen Straßen: und 
Platzformen eine ästhetische Neuorientierung (Camillo Sitte). Dazu kamen 
Untersuchungen über die neuen Grundlagen der Städtebildung nach der 
sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Seite hin, Untersuchungen, 
welche die Organisierung der Stadtviertel und Straßenzüge, sowie die Her- 
vorkehrung alles dessen zum Ziele hatten, worauf sich erst die neue Stadt 
aufbauen kann (Theodor Goecke), und es bildete sich eine neue Lehre, der 
54
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.