Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stadtkrone
Person:
Taut, Bruno Scheerbart, Paul Baron, Erich Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952358
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3914306
Und es treten die hellgrünen Engel mit dunkelgrünen Tannenzweigen 
hervor, und mit den dunkelgrünen Tannenzweigen berühren sie alle Unzus 
friedenen. 
Und die Berührten fallen um und sind tot. 
Rasch werden sie hinausgetragen und wieder im Schnee verscharrt. 
Jede Spur der Bösen ist bald verweht. 
Die guten Menschen aber, die schon dankbar sind, wenn sie bloß in einer 
glanzseligen Traumwelt leben können, nehmen die Qualen des alten Lebens 
ruhig ins neue Leben hinüber, lachen lustig über alles und wollen nicht mehr. 
Wie die hellgrünen Engel zurückkommen, streicheln sie den guten Mens 
sehen freundlich die klugen Köpfe. 
Durch die bunten Glasscheiben strahlt das neue Glück in die Schneenacht 
hinaus, daß die gar seltsam wird. 
Die Smaragdkugeln leuchten mit ihren grünen Lichtkegeln durchs schwarze 
Weltall. 
Die Saphirtürme recken sich noch höher  wie übermütige Gespenster. 
Die riesigen Opalgitter schimmern wie Millionen aufgescheuchter Schmet: 
terlinge.  
Die vielen kleineren Schlösser sehen auf dem weißen Schneeball, der sich 
Erde nennt, wie Glühwürmchen aus. 
Und es ist alles so rührendsfeierlich in der ewigen Dämmerstunde, daß 
jeder ruhig werden kann. 
Die Erzengel beugen sich zum zweiten Male zur Erde herab. 
Die blonden Riesenlocken bilden wie vorhin einen prächtigen Haarring. 
Die unbeschreiblich großen Engel stecken die festlich erleuchteten Paläste 
wieder in ihren Rucksack, ziehen ihre Handschuhe an, nehmen ihre Dome 
in den Arm   und flattern davon. 
Bald dreht sich der ganze Erdball so langsam wie vorhin  wie ein großer 
Schneeball, den Kinder rollen, wenn sie einen Schneemann bauen. 
Die violette Sonne glüht in der Ferne wie eine Ampel, der das Öl ausgeht. 
Die goldenen Sterne funkeln imftiefschwarzen Sammethimmel  wie glücka 
liche Strahlburgen. 
Und die Nacht ist so still  so grabesstilll
        

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