Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stadtkrone
Person:
Taut, Bruno Scheerbart, Paul Baron, Erich Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952358
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3915424
scheint auf dem Hintergrunde unseres Bildes ein gemaltes Bild in seinem 
mitgemalten Rahmen. Wir könnten uns kein besseres Element wünschen, 
um die Auffassung festzulegen, welche diese Zeit von einem Bilde hat. Ein 
Gemälde, ein Bild, das ist eine bemalte, gerahmte Fläche aus Holz oder 
Leinen, die einem Objekte ähnlich und wenn möglich auch geschmackvoll 
sein soll. Man hängt solche Arbeiten in die gute Stube, sie sind eine Art 
von Möbelstücken geworden. Malt nun ein Maler eine bürgerliche gute 
Stube, die ein ebenso würdiger Gegenstand der Kunst ist wie irgend etwas 
sonst, weshalb soll er nicht dann auch die gute Stube in kleinerem Maßstabe 
an der Wand mitmalen, die als brave Malerei eines Kollegen in jener guten 
Stube als gerahmtes Bild an der Wand hängen könnte? Es wären schließlich 
unendlich viele ineinandergestellte gemalte gute Stuben hintereinander auf 
einem Bilde theoretisch möglich. Niemand stößt sich daran. Warum auch? 
Aber daß niemand sich daran stößt, ist ein Beweis, daß völlig das Gefühl 
dafür erloschen ist, daß jedes Kunstwerk eine Auseinandersetzung mit dem 
Sinn der Welt ist, also etwas ehrlich Ausschließliches. Souverain tritt jedes 
wahr empfundene Werk eines Künstlers in die Welt, so daß es der wahre 
Künstler nur als eine Aufhebung seines ganzen Wesens empfinden könnte, 
wenn man ihm zumutete, selbst, innerhalb seiner Schöpfung, darauf 311211: 
spielen, daß es derartige Dinge zu Dutzenden allerorten gibt. Profanität 
wird hier nahezu Frivolität.  
Wir haben die Fortsetzung des Rogier van der Weyden, der zwar auch 
schon ein Bild im Bilde malte, aber es doch noch nicht als isolierte, gerahmte 
Leistung eines anderen motivierteJetzt ist selbst der langweiligste Rahmen 
eines gemalten, sehr gleichgültigen Bildnisses ein ausreichender Gegenstand 
der Malkunst geworden. 
Zugleich aber erkennen wir noch, weshalb der banale Vierkantsrahmen zu 
so unbeschränkter Geltung kommen mußte. Woher dieser Rahmen kam, 
hörten wir schon. Jetzt nun als Stubenbild, als ein Stück des Mobilars 
mußte sich das Bild selbstverständlich dem Milieu anpassen, den Stühlen, 
Fenstern, Tischen, Schränken und Truhen. Diese alle aber sind aus prakti. 
schen Gründen rechtwinklig. Was blieb also dem Gemälde übrig, als sich 
ebenfalls in vier rechte Winkel einzupassen? Damit war seine Loslösung 
vom Architektonischen, seine Abirrung vom Kosmischen zu Ende geführt. 
Zum Gegenständlichen gezwungen, führt das Bild in der guten Stube, im 
Salon, ein profanes Dasein. Es ordnet sich zwischen Gardinen, Portieren 
und Nippes ein. Daß es unter den Gebrauchsgegenständen des bürgerlichen 
17.7
        

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