Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stadtkrone
Person:
Taut, Bruno Scheerbart, Paul Baron, Erich Behne, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952358
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3915328
beruht nur darin, daß sie jedes zu seiner Zeit und an seinem Platze ist. Wer 
möchte die Miniaturen der Wenzelbibel, die Kalenderbilder der nTres riches 
heurese: bis hin zum Breviarium Grimani auch nur in einem Zuge anders 
wünschen als sie sind in der unendlich liebevollen Zeichnung der feinen 
Sträucher, über welche die Schwalben fliegen, der bläulich spielenden Ochsen: 
hörner, der scharfzackigen Steinkanten und des leichten dünnen Zaunes, der 
vielen einzelnen Figuren in ihren mannigfachen Beschäftigungen, der Nähe 
und der helleren Ferne mit Häusern und Türmen, Burgen und Spitzen. Un: 
berührbar sind diese Blätter in ihrer künstlerischen Reinheit. Und erst wenn 
wir sie mitbeachten, dann erst verstehen wir ganz den Geist zu würdigen, 
der völlig neu und gleichsam ohne die Darstellungen der Bücher zu kennen 
 der Buchdeckel schließt sie ein  die große fremde Form des Kathedralen:  
fensters schuf.  
Reizend sind die Miniaturen, wie ein letzter feiner Hauch von der Schicht 
des Materiellen mit liebenswürdigen Händen gelöst. Und auch von einigen 
der schönsten Bildwerke dieser Zeit ließ sich das sagen. Aber alle Materie 
wird für das große Werk in den heißesten Schmelzofen geworfen, bis sich 
die neue unirdische Masse des Glases gebildet hat, aus dessen körperloser 
reiner Farbigkeit das Neue gebildet wird. 
Einen ersten Schritt zur Mischung des Polaren könnte man schon finden 
selbst im vielteiligen gotischen Altarbilde. Denn hier tritt zuerst die Malerei 
aus der Einheit der Kunst heraus, und welche Kostbarkeiten immer diese 
Werke sind, deren prangende Versammlung in der Akademie zu Siena ein 
die Seele aufrührendes goldenes Fest bereitet, sie sind schon mehr Wirklich; 
keit, Materie und Stoff als die Täfelungen aus Glas, die das Schönste ihrer 
Wirkung von draußen, vom Lichte, vom Himmel her empfingen, in denen 
sich gleichsam das demütig und zaghaft als Opfer dargebrachte Werk aus 
Stein mit dem Lichte, den Sonnenstrahlen vermählte. Wenn tief und stark 
der lichte Äther die Scheiben durchdrang, die Kraft der Farbe aus ihnen wie 
Orgelton lösend und über Wände und Boden den bunten Widerschein 
breitend, dann brachte das die Gewißheit, daß dieses Menschenwerk der 
Gnade teilhaft geworden sei. Solchen mythischen Charakter haben die Altar. 
tafeln nicht mehr, sie sind schon Dogma. Sie haben schon einen Rahmen 
um sich herum. Ohne diesen vermögen sie nicht zu stehen. Und das unend. 
liche Licht wird in ihnen schon zum Golde als Stoff. 
Aber ihre Schönheit ist noch so voller Huld und Süße, daß sie wie ein 
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