Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst-Erziehung und Ueberlieferung
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-948771
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-949827
Anmerkungen. 
35. Einen gleichen Ausspruch tat v. Lenbach schon im Jahre O 
1893 auf dem Kongreß für Maltechnik zu iMiinchen. Als erster 
Vorsitzcnder der ,,Deutschen Gesellschaft zur Beförderung rationeller 
MalverfahrenE alldort, sprach er das beachtenswerte Mahnwort: 
,,Cin junges Geschlecht ist herangewachsen, das in pietätlosem 
Dünkel den großen Vorfahren nichts verdanken, aller Tradition 
den Rücken kehrend, die Kunst von vorne anfangen will. Wer in 
der Wissenschaft oder im Handwerk die Erfahrungen und Ersins 
dungen der Jahrtausende ignorieren wollte, würde nicht nur eins 
fach ausgelacht und für einen Narren erklärt werden, sondern bei 
seinem törichter: Eigensinn verhungern müssen.0 Weiteres sehe 
man bei Adolf Wilh. Keim ,,Lleber Maltechniktt, ein Beitrag zur 
Beförderung rationeller Malverfahren te. CLeipzig, 1903.J S. 58. 
36. Denn ist es etwa nicht deutlich genug gesagt, was Vitruv, 
auf den Ausspruch des sokratischen Philosophen Aristippos vers 
weisend, im Vorwort seines sechsten Buches seiner ,,8ehn Bücher 
über ArchitelturU verlangtZ Jst es denn vergessen, daß die Lesung 
des Quintilian durch das ganze Mittelalter hindurch mit größtem 
Eifer und  mit welchem Erfolgelil betrieben wurdeZ Wohl 
beachtete und schätzte man derzeit des trefflichen Römers Werk 
als eine sehier unerschöpfliche Fundgrube für Lehrende und Lers 
nendei Deshalb sei nur an wenige feiner Worte hier erinnert. 
Im elften Kapitel des zwölften Buches sagt er: ,,So viele 
Lehrer, so viele Vorbilder bietet uns das Altertum, daß es als 
das größte Glück erscheint, in unserem 8eitalter geboren zu sein, zu 
dessen Bildung unsere Vorfahren so sehr vorgearbeitet haben. k22.z 
Doch noch ein weiterer und wichtiger Hinweis findet sich ebendort, 
wo er darauf hinweist, daß man in den für uns maßgebenden 
Zeiten keine einseitige Gelehrsamkeit, sondern eine umfassende 
Bildung erstrebt habe. Dafür verweist er auf FJippias von Elis, 
einen Sophisten aus des Sokrates Tagen, welcher nicht bloß 
Kenntnis in den edlen Wissenschaften verriet, sondern auch in 
rein technischen, dem Handwerk angehörenden Dingen, große 
Fähigkeiten und Fertigkeiten bewiesen habe. Er gedenkt des 
Gorgias, welcher seine 8uhörer aufzufordern pflegte, ihm eine 
beliebige Frage vorzulegen, und dazu bezeugt diesem ganz Gries 
chenland, daß er der vielen Uebel spottete, welche sonst hohes 
Alter begleiten. Weiter verweist er auf Platon und Aristoteles, 
und wenn er bei ersteren: fragt, ob es wohl eine des Gelehrten 
würdige Kunst gebe, welche dem Platon gefehlt habe, so verweist 
er bei dem an zweiter Stelle Genannten auf den ungeheuren 
Reichtum des Wissens, den dieser doch erfinden, durchforschen 
und begründen mußte, wohingegen wir ihn nur zu erlernen 
brauchen. So war DIE. Cato zugleich ein großer Feldherr, ein 
Weltweiser, Redner, Geschichtsschreiber, Rechtsgelehrter und
        

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