Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst-Erziehung und Ueberlieferung
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-948771
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-950770
Vessergesinnten, alle höher Denkenden, von der Hütte des 
Armen bis zu der Paläste Räume, sich um die Verkiindiger 
des Evangeliums der Liebe scharen, das den Schwachen und 
.83ilflosen Stärke lieh und die Gewaltigen beugte. Dieser, der 
damaligen Welt durchaus fremde Geist, der ein frohes und 
heiteres Gemüt schuf und die Quelle alles Edlen und Guten, 
alles Schönen und Erhabenen wurde, findet sogleich in den 
von der jungen Kirche beschützten Künsten und Wissenschaften 
Ausdruck. 
Chateanbriand,C9J der die Meisterwerke der heidnischen 
Kunst mit jenen der christlichen Aera in Vergleich stellt, sagt: 
Das neue Testament verändert den Geist der Malerei. Ohne 
ihr etwas von ihrer Erhabeuheit zu entziehen, verlieh sie ihr 
mehr Zärtlichkeit. Wer bewunderte nicht hunderte Male die 
Geburt des 55eilandes, die Jungfrau mit dem Kinde, die Flucht 
nach Aegypten, die Krönung mit den Dornen, die Sakramente, 
die Sendungen der Apostel, die Kreuzabnehmungen, die Frauen 
beim heiligen Grabel Die Vaechanalien, die Feste der Venus, 
der Raub der Jungfrauen, die Metamorphosen, können sie 
jemals das Herz rühren wie die Gemälde, welche der heiligen 
Schrift entnommen sind2 Das Christentum zeigt uns überall 
die Tugend und die Prüfung, die Vielgötterei aber den 
Gottesdienst der Laster und des Wohllebens. Die für uns 
bestimmte Religion enthält unsere Geschichte; für uns werden 
so viele herzzerreißende Schauspiele der Welt gegeben; wir 
selbst sind mithandelnde Personen in den Auftritten, welche 
der Pinsel uns darstellt; das rein Sittliche und das zart 
Riihrende wiederholt sich stets in den christlichen Gegenständen. 
Darum sei du ewig und ewig verherrlicht, du Religion Jesu 
Christi, welche die Kreuzigung des Königs der Könige im 
Louvre, das jüngste Gericht an der Decke des Versammlungss 
saales unserer Richter, eine Auferstehung der Toten im alls 
gemeinen Krankenhause und die Geburt des Weltheilandes in 
dem Hause jener von ihrem Vater und ihrer Mutter vers 
lassenen Waisen aufstelltel 
Mit Recht sagt daher A. W. v. Schlegel:70J ,,Die christ: 
liche Religion hat die erschöpfte und versunkene alte Welt 
166
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.