Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst-Erziehung und Ueberlieferung
Person:
Cremer, Franz Gerhard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-948771
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-950143
sind zwei. innig verwandte Ideen, welche der Künstler mit: 
einander zum Ausdruck bringen wollte, ewige Weisheit und 
ewige Schönheit: aber eine Schönheit, die den Beschauer eben: 
sosehr zu ernstem Nachdenken wie zur Bewunderung stimmen 
müßte. Und diese Wirkung empfindet man vor der Minerva 
des Phidias in der Tat. Die durch nichts getriibte Reinheit, 
welche sich in der FIaltung, in den Zügen und selbst in den 
unbedeutendsten Einzelheiten ausspricht, beweist zur Genüge, 
daß der Künstler begriffen hatte und es dem Beschauer nahe 
legen wollte, wie die Keuschheit die Mutter der Einsicht und 
der Stärke des Geistes ist. 
Um das Bild jedoch in seiner vollen Schönheit genießen 
zu können, müssen wir seine Entstehung kennen und auch seine 
Umgebung, wenn auch nur mit flüchtigen: Blicke, streifen. Es 
ist gleich, welches Bild des Phidias wir dabei ins Auge 
fassen, ob jenes Kolofsalwerk, welches noch der Zeit Kimons 
angehört, das aus der marathonischen Beute errichtete Weihe: 
bild der ,,VorkämpferinU Athena CPromachosJ, welches sich 
auf der Höhe des Burgselsens zwischen dem .Deiligtume des 
Polias und den Propyläen erhob und selbst den Parthenon 
überragte, da ihr FJelmbusch und ihre Lanzenspit3e über diesen 
hinweg den von Sunium FIerschifsenden sichtbar war, oder 
jenes goldclfenbeinerne Bild in der 3ella des Parthenon, des 
Jungfrauheiligtun1s, vor welchem die Panathenäens1eger gekrönt 
wurden, das in die Zeit des Perikles, des Olympiers fällt, 
und da es gegen vierzig FußUd Höhe maß, auch eine gewisse 
Gegenüberstellung gestattet. Wir sind durch die Namen der 
Propyläen, durch die sechs Frontsäulen bis zur Marmorwand 
der fünf Tore, die den Zwischenräumen jener Säulen ent: 
sprechen, aufwärts gestiegen; wir sahen den leuchtend blauen 
Himmel durch diese Toreinschnitte und bewunderten in der 
weißen Quaderwand die allerfeinste Marinorfügutig. Wir 
treten nordwärts in die Seitenhallen, die M1iesikles errichtete 
und erinnern uns, daß hinter der von drei dorischen Säulen 
erösfneten Vorhalle jenes Gemach Von schönen Marmorivänden 
einst die Pinakothek und damit das Erlesenste der griechischen 
Malwerke umschloß. Wir gelangen zu der FJinterhalle der 
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