Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Zeichnens
Person:
Ehrenberg, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-945678
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-948357
Zehnteg 
Kapitel. 
Wichtigkeit 
UUd 
Bedeutung der Hand. 
Kopfes. 
Pl1Ufiognomik 
des 
Pot1riitzeicynen. 
Wenn bis jeHt die Grundlage unsrer Beobachtungen und Erklärungen 
eine sehr reale war, indem wir besonders zulex3t das materielle Fundament 
der Formen besprachen, so kommen wir jeHt auf die geistige Basis, auf den 
Einfluß, den die geistige Thätigkeit auf die äußeren Formen aus: 
übt. Zwar kennen wir hier weder GeneralgeseZe aufstelIen, wie bei der 
Perspektive, noch überhaupt Formengesege, deren Notwendigkeit wir geradezu 
beweisen könnten, wie uns ein solcher Beweis durch die Anatomie gegeben 
war; aber eben deshalb erfordert es unsre ganze Aufmerksamkeit, die Wir: 
kungen des inneren Lebens aus die äußeren Formen auch ohne bindende Ge: 
seHe zu erkennen. Als Leitfaden diene uns der Satz: Die äußere Gestalt ist 
nur ein Symbol des inneren Menschen, und der Körper ist im ganzen wie 
im einzelnen auf das innigste mit den Funktionen der Seele verbunden. Die 
Bewegung des kleinsten Körperteiles geschieht erst infolge einer Seelen: 
thätigkeit; jeder Zug im Gesicht, sei er momentan oder bleibend, jede Hand: 
bewegung, ja sogar Gang und Haltung sind zum Teil eine Folge des Seelen: 
lebens. 
Aus diesen Bemerkungen wird man gleich ersehen, daß wir uns in 
nachstehendem fast ausschließlich mit dem Menschen und seiner Darstellung 
beschäftigen werden. Wir werden besonders daraus erkennen, von welcher 
großen Wichtigkeit eine einzige Linie sein kann, wie der Unterschied einer 
Linie ,,um eine LinieE schon von Einfluß ist und den Charakter einer Form 
zuweilen gänzlich verändern kann. Wir sollen verstehen lernen, daß wir nie 
den Bleistift zur Hand nehmen dürfen, ohne uns bewußt zu sein, daß der 
erste Strich, den wir machen, Charakter haben oder andeuten muß. Auch 
der scheinbar flüchtigste Entwurf muß stets die Folge einer ruhigen Über: 
legung, einer ernst vergleichenden Beobachtung sein, wenn er überhaupt den
        

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