Bauhaus-Universität Weimar

ist, dann ist es diese Aufgabe, die für den rechnenden Konstrukteur 
wie für den bildenden Künstler gleiches Interesse bietet. Es handelt 
sich darum, eine Halle zu schaffen, in der der Bau von Riesenlufta 
schiffen des Zeppelinschen starren Systems, gegen Witterungseinflüsse 
geschützt, vorgenommen werden kann und die auch fertigen Luft: 
schiffen als Unterkunft dienen soll. Die besonderen Anforderungen 
gegenüber anderen Hallen von ähnlicher Größe waren: große Feuer: 
sicherheit, gute Isolierung, vor allem gegen Sonnenstrahlen, und die 
Anlage einer Torkonstruktion, die rasch ein ganzes oder teilweises 
Öffnen der etwa 40 m breiten und 20 m hohen Austrittsöffnung er; 
möglicht. Im Innern waren Laufkräne und Arbeitsgalerien anzuordnen. 
Von der großen Zahl der eingegangenen Entwürfe sind etliche in 
Eisen mit ausgemauertem oder verschalten Wänden, etliche in Eisen: 
beton konstruiert. Es erscheint bemerkenswert, daß das Preisgericht 
sich entschieden für die Eisenkonstruktion ausgesprochen hat, denn 
kein einziger Eisenbetonentwurf ist eines Preises würdig befunden 
worden. Den ersten Preis und die Ausführung errang die Maschinen- 
bauanstalt Flender, was ihr architektonisch leider recht nüchterner 
Entwurf wohl konstruktiven Vorzügen, besonders der glücklichen 
Lösung der Torkonstruktion, verdankt. Künstlerisch stand der mit 
dem zweiten Preise ausgezeichnete Entwurf zweifellos höher, den Bruno 
Möhring, mit der GutehoffnungsßHütte in Oberhausen zusammen, gea 
schaffen hat (siehe Abbildung). Der neuen Aufgabe geht dieser Enta 
wurf in durchaus neuzeitlicher Auffassung zu Leibe und schafft aus 
einem Granitsockel, ausgemauertem Eisenfachwerk und den großen 
achtteiligen Toren mit den seitlichen Türmen, in die sie beim Öffnen 
hineingeschoben werden, ein prachtvoll einheitliches Ganzes von bea 
zwingender Größe und ruhiger Eleganz. Es ist sehr zu bedauern, 
daß dieser Entwurf nicht zur Ausführung gelangt; es wäre der würdige 
künstlerische Ausdruck für Deutschlands ruhmreichen Luftschiffbau 
geworden. 
Aber nicht nur "Mappenarchitektur" hat der Chronist des verflossenen 
Iahres zu verzeichnen. Wir haben auch einen Bau fertig werden sehen, 
der  ganz ein Kind unserer Zeit  sich wohl den besten Werken 
aller Zeiten an die Seite stellen kann: Das ist das Tietzsche Waren: 
haus in Düsseldorf von Josef Olbrich, der die Vollendung seines 
Werkes leider nicht mehr erleben durfte. Also auch eine neuzeitliche 
Aufgabe, in der der zukunftsfroheste, phantasievollste und feinsinnigste 
zeitgenössische Architekt vielleicht sein reifstes Werk gegeben hat 
Die eine Abbildung gibt die Außenansicht, die andere Abbildung die 
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