Bauhaus-Universität Weimar

auszusprechen, eins und dasselbe sagen will. Nie ist ihm dies das 
Wesentliche, wie vielleicht viele ihm heimlich vorwerfen. Mit gutem 
Gewissen hat er sich einmal ausdrücklich dagegen verwahrt. „Wenn 
es zu aller Zeit", so schrieb er gelegentlich, „Begabungen gegeben hat 
(und er denkt gewiß dabei an sich selber) die dem Beschauer poetische 
Stimmungen durch sichtbare Gestaltungen auf der Fläche zu suggerieren 
wußten, so waren sie doch nicht dadurch Künstler, so lag doch nicht 
darin das Wesen ihrer Kunst; vielmehr lag dieses in der Erfüllung 
ganz anderer ,rein formalen Forderungen, ohne welche jene poetischen 
Suggestionen sofort ganz unerträglich werden." 
Der Inhalt dieses Satzes deckt sich mit dem Gedankengang unserer 
Einleitung. 
Wenn aber das "Malerische" durchaus das einzige Thema dieses 
Malers ist, wie jedes andern auch, der ein Künstler heißen darf, so 
hat dies doch einen weniger engen Sinn bei ihm und läuft auf andere 
Wirkungen hinaus als bei denen, die ein gewisser Sprachgebrauch 
ausschließlich die "Modernen" nennt, und mit deren Leistungen die 
seinigen nicht verglichen werden dürfen. Denn seine Stärke liegt in 
entgegengesetzter Richtung und befähigt ihn vor allem zu sinnreicher 
und feierlicher Dekoration. Das Tafelbild ist ihm fast nur ein NOlI: 
behelf. Auf festlichen Wänden, als dekorativer Schmuck wären denn 
auch diese Gestalten, die auf seinen Leinwänden oft allzu schemena 
haft, allzu unkörperlich, allzu unfleischlich anmuten, besser an ihrem 
Platz. Die Einzeldurchbildung, die koloristischzinteressante und reiz: 
volle Behandlung jedes noch so kleinen Flecks, die Lebendigkeit der 
Epidermis bis in das kleinste Stück Fleisch hinein, was man alles auf 
den Tafelbildern oft mit Enttäuschung vermißt, dürfte dort niemand 
von ihnen fordern. 
Wandflächen aber müssen dem Künstler gegeben werden. Man 
kann dazu nur sagen: Wehe dem Künstler, dessen Talent seine Zeit 
nicht zu brauchen weiß. Andere auch sagen: So sind einmal die 
Bedingungen heut, also: hic Rhodus, hic saltal Nie aber darf man 
Unzeitgemäßheit und Impotenz verwechseln. 
Wenn Frobenius mit seinen feierlichen Kompositionen immer ein 
wenig an die Freske gemahnt, läßt die Art Rudolf Schiestls fast an 
den Holzschnitt denken  freilich nur in einem ganz besondern Sinn. 
Und in der Tat hat dieser Malerpoet viel für den Holzschnitt gea 
arbeitet, das beste vielleicht in den Heften des „deutschen Spielmann" 
(München, Callwey). Die von ihm illustrierten Nummern heißen: 
„Gute alte Zeit", "Abenteurer", "Tod", "Menschenherzen". Die Titel 
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