Bauhaus-Universität Weimar

Städtefchau 
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nützen könne, wenn in ihr die übrige Kunst- 
Pflege darniederliegt. Zwischen diesen beiden 
Faktoren muß ein unterirdischer Zusammenhang 
auf die Dauer irgendwie bestehen; wenn in einem 
fort gute Bilder gekauft und daneben immer 
schlechte Denkmäler gesetzt und mißratene Häuser 
gebaut werden, dann ist irgendwo ein Fehler in 
der Organisation. Dies ist in Bremen nicht der 
Fall, und das erfreuliche Bild, das die Betrach- 
tung des allgemeinen Kunstlebens bietet, findet 
sein Pendant in den Zuständen der Museen und 
Bildungsanstalten. Einen Fortschritt auf diesem 
Gebiete bezeichnet der im letzten Jahre zustande 
gekommene literarische Zusammenschluß der bre- 
Inischen Sammlungen, der sich in einem jetzt im 
2. Halbjahrsband vorliegenden Jahrbuch 
dokumentiert. Die bremischen Museen (Kunst- 
halle, Gewerbe-Museum, Historisches Museum 
und Ethnographisches Museum) geben Zusam- 
men mit dem Archiv und der Stadtbibliothek 
ein Organ heraus, in dem in der Form von 
wissenschaftlichen Essais wertvolle Publikationen 
aus dem Bestande der Sammlungen stattfinden, 
neben Besprechung der Neuerwerbungen und 
Abhandlungen von Fragen, die allgemeineres 
Interesse beanspruchen, ohne jedoch des Zu- 
sammenhanges mit B:-emen ganz zu entbehren. 
Die Neuerwerbungen der Kunsthalle, auf die 
es in unserem Zusammenhange hier ja wesent- 
lich ankommt, waren im vergangenen Jahr be- 
sonders reichlich und erfreulich. Ein Hauptge- 
wicht wurde dabei auf die deutsche Malerei um 
X8?0 gelegt, jene Epoche, die allmählich als 
eine klassische zu erscheinen anfängt. Von Wil- 
helm Triibner wurden zwei Arbeiten von l873 
erworben, das Bild seiner Kousine mit dem 
japanischen Fächer und eine Ansicht aus den 
Ruinen des Heidelberger Schlosses; von Albert 
Lang, der damals dem Leibl-Trübner-Kreise 
nahestand, ein Stilleben, von Karl 5chuch gleich- 
falls eines und von Hans Thoma eine frühe 
Schwarzwaldlandschaft  Auch Habermann 
ist mit seinem Küchenstilleben aus jenem Jahr- 
zehnt in die Galerie eingezogen. Von Kalckreuth 
konnte das große Bild ,,Sommer" erworben wer- 
den und von Liebermann zwei bedeutende Werke, 
ein ,,platz in Haarlem" (x90?) und die ,,Kuh- 
hirtin", ein Hauptwerk seiner Frühzeit.  Glei- 
cherweise wurde die Sammlung von Kleins- 
skulpturen mit Arbeiten von K:-aus und Kolbe 
glücklich ergänzt und die Reihe der Plaketten und 
Medaillen durch schöne Stücke von Hildebrand, 
Hahn und Roemer, sowie von einigen Franzosen, 
besonders Ponscarme, bereichert.  Zu den Er- 
werbungen solcher Art gaben vor allem die gro- 
ßen Ausstellungen Gelegenheit, die während des 
Winters stattfinden. Alle zwei Jahre wird eine 
,,Große" veranstaltet, und zwar abwechselnd 
internationale und nationale. Die des letzten 
Frühlings Umfaßte nur deutsche Kunstwerke.  
Im übrigen ist aus der Ausstellungstätigkeit 
vornehmlich eine große Vorführung japanischer 
Kunst zu nennen, in der eine ausgezeichnete 
Übersicht über die Entwicklung des Farben- 
holzschnittes geboten wurde. Die Bestände der 
Kunsthalle und der BesiZ einiger privatsammler 
wurden zu diesem Zwecke vereinigt. Für den kom- 
menden Winter steht wieder eine große Ausstel- 
lang aus Privatbesitz bevor: die von bremischen 
Sammlern im Verlaufe des letzten Jahrzehnts 
gemachten Erwerbungen an zeitgenössischen Bil- 
dern sollen gezeigt werden. Diese Ausstellung, 
ein Gegenstück zu der im Jahre l904k veran- 
stalteten Vorführung alter Bilder aus Bremer 
,0rivatbesitz, wird zeigen, wie stark die von der 
Kunsthalle und ihrer Arbeit im letzten Jahr- 
zehnt ausgegangenen lebendigen Anregungen 
gewesen sind. 
E. Waldmann. 
König5berg 
Das künstlerische Interesse wird seit langem 
vor allem von der Musik in Anspruch genom- 
men und daß unsere ultima Thule ,,Musikstadt" 
in jedem und dem besten Sinne sei, wagen nur 
gelegentlich Leute vom Fach zu bezweifeln, denen 
man dann freilich nicht glaubt. Jedenfalls aber 
hat man hier seit geraumer Zeit so enthusiastisch 
Musik gehört und gemacht, daß für die bildende 
Kunst nie allzu viel übrig geblieben ist. 2ln 
dieser Tatsache vermochte früher auch die Aka- 
demie, die hier ihren Sitz hat, nichts zu ändern. 
Man war gewohnt, sie nicht zu beachten; man 
wußte kaum mehr von ihr, als daß sie eben da 
war. Das lag freilich nicht nur an dem fehlen- 
den Kunstinteresse, sondern zur guten Hälfte auch 
an der 2Ikademie selber. Langsam ist in den 
letzten sieben Jahren ein erfreulicher Wandel 
eingetreten. Ein frischerer Zug ist in das lange 
stagnierende hiesige Kunstleben gekommen. Er 
ist vor allem der organisatorischen Rührigkeit 
Ludwig T)ettmann5 zu danken, des jetzigen 
Dir-ektor5 der 2lkademie, und der ungewöhnlich 
tüchtigen Künftlerschar, die mit und neben ihm 
hier seit wenigen Jahren wirkt: den Malern
        

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