Bauhaus-Universität Weimar

S-tädtefchau 
kalen Färbung und besonderemGeschmack. ,,Einen 
5pitzweg" wird man schwerlich auf den alljähr- 
lichen Ansstellungen finden. Wenn trotzdem diese 
periodischen Ansstellungen manchmal etwas 
bringen, so sind es eben wiederum aus der ZNenge 
hervorragende Persönlichkeiten, Künstler von 
einer gewissen Eigenart Und Originalität. So 
brachte uns die Winterausstellung der Sezession 
das Schaffen dreier voneinander grundverschie- 
dener Künstler näher. 2llbert von Keller war, 
wie Uhde im vergangenen Jahr, mit allem ver- 
treten, was er in seinem bisherigen reichen 
Malerleben ersehnt, gewollt und erreicht hatte. 
Diese Kollektivausstellung gab für die Kenntnis 
und die Entwicklung seiner Kunst erschöpfende 
2lufschlüsse. Nicht weniger instruktiv, wenn auch 
weniger genußreich, war die Vorführung des 
Nachlasses des frühverstorbenen Philipp Klein 
 des M-alers zwischen zwei Sezessionen  
Berlin und München. Sein von dem Dämon 
Farbe beherrschtes Malertemperament zog ihn 
aber schließlich doch ganz nach München. Wie 
Antäus erstarkte er immer wieder auf dem frucht- 
baren Münchener Kunstboden. Von Naturnähe 
und erdhafter Kraft und Energie zeugten auch 
die Schöpfungen des Tiermalers Charles ToobY. 
Er ist ,,-auch einer". ToobY kann neben Zügel 
bestehen. Vorläufig wird er von den Künstlern 
vielmehr geschätzt als vom Publikum, obwohl 
gerade seine gediegene Kunst am meisten Aus- 
sicht auf Canglebigkeit hat. 
Schließlich müßte der getreue Chronist auch 
noch auf die großen Münchener Sotnmeraus- 
stellungen hinweisen. Aber, wenn wir uns auch 
bemühen würden, den Katalog in epischer oder 
lYrischer Form auszuholen, erschöpfend könnte 
man ihn doch nicht wiedergeben. Weiß der Him- 
mel, was mit diesen jährlich ausgestellten 2000 
Bildern geschieht? 
Plastik und Architektur hat auf der großen 
Münchener 2lusstellung auf der Theresienhöhe 
eine glänzende Vertretung gefunden. Diese Aus- 
stellung gibt ein in jeder Hinsicht erschöpfendes 
Bild vom Münchener Kunstleben, daher wir auf 
den nächsten Bericht verweifen wollen. 
A. Heilmeyer. 
Wien 
Seit meinem letzten Bericht ist einiges sehr 
Bemerkenswerte zu verzeichnen. Die Menge der 
Ansstellungen hat zwar abgenommen, und am 
rührigsten war noch die Galerie Miethke, die 
doch immer wieder neue Künstler und Künste 
zum Ausstellen findet. Aber gleich an der 
Schwelle der Saison stand ein wirkliches Ereig- 
nis, die Einweihung einer modernen Kirche am 
8. Oktober. Es ist die marmorne Kuppelkirche 
Otto Wagners, welche die großartige Anlage 
der niederösterreichischen Heil- und Pflegeanstal- 
ten für Geistes- und Nervenkranke  Stein- 
hof", auf dem Hügel über dem Vorort Baum- 
garten) krönt. Eine neue Heilstadt, ein Kurort 
von 60 Gebäuden auf einer Grundfläche von 
H30000 Quadratmetern. Otto Wagner konnte 
da endlich seine bekannten Ansichten über moder- 
nen Kirchenbau verwirklichen, die er zum ersten 
Mal 1898 in der Sezession.an einem platonischen 
Kirchenmodell vorgeführt hat. Damals ver- 
höhnt, hatte er jetzt einen großen, kaum bestrit- 
tenen Erfolg. Seine goldene Kuppel ist jetzt 
das Wahrzeichen jenes Teiles der Wiener Land- 
schaft. Eine Kirche aus durchaus echtem Mate- 
rial, außen ganz mit weißen Marmorplatten 
benagelt und die Kosten blos 5?5,000 Kronen. 
Auch diese prosaische Seite des Baues ist in ihrer 
Art ein Kunstwerk. Schade nur, daß der Architekt 
nicht die ganze Ausschmückung so durchzusehen 
vermochte, wie sie ihm vorgeschwebt. Die großen 
Fensterwände mit ihren farbigen, figuralen Ver- 
glasungen, in denen Koloman Mos er ein stili- 
stifches Meisterstück geschaffen, hätten sich in eine 
kolossale Mosaikwand hinter dem Hauptaltar fort- 
gesetzt. Für diese war auch eine ganz neue 
Variante von Mofaiktechnik beabsichtigt. Andere 
Einflüsse machten sich geltend und diese Arbeit 
gelangte in eine schwächere Hand. Jedenfalls 
ist Wagners Bau von weittragender Bedeutung 
und namentlich auch sYmptomatisch für das Kunst- 
empfinden leitender Kreise, das früher nur zu 
konservativ gewesen. Wie wenig Lebendiges da- 
bei herauskommt, zeigt gerade jetzt die stattliche, 
romanifch-gotische Gedächtniskirche in der Donau- 
stadt (vom Schmidtschüler Prof. Luntz), deren 
Elisabethkapelle kürzlich geweiht wurde. 
Die Denkmalplaftik hat bloß das ansehnliche 
Brahmsdenkmal von Prof. Rudolf WeYk auf- 
zuweisen. Es steht in den Anlagen vor dem 
polYtechnikum; eine kolossale marmorne Sitz- 
figur mit Mantel und eine hingesunkene Muse 
am F-sockel. WeYr ist eine Kraftnatur der frühe- 
ren, realistifchen Epoche und gab uns keinen 
modernen Brahms, wie vor einigen Jahren
        

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