Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941991
6. Die neue Zeit. 
1. 
Es war ein anderes Nürnberg, in das Dürer nach seiner 
Wanderfahrt eintrat. In einem schnellerm Zeitmaß als 
früher hatte man inzwischen dort gelebt, vieles war ent- 
wertet, anderes ins Licht gerückt. Auch siumpfere Augen 
als Dur-ers hätten es wahrnehmen müssen, daß vier Jahre 
des Fernseins hier etwas Besonderes waren. 
Es ging hart auf 15oo, die Geister schieden sich. Der 
Fanatismus der Kirche hatte sich erhitzt bis zu den Schrecken 
der Kclzergerichte. Innozenz vllI. ließ gegen Deutschland 
seine zornerfüllte Balle los ,,sumn1is desjderantes". 
Das Buch vom Hexenhammer, 1489 erschienen, verwirrte 
die Geister vollends. Jnquisitoren wie Sprenger, Krämer 
und Gremper machten sich an die Arbeit; den Rhein entlang 
loderten Scheiterhaufen empor. Es war dieselbe Zeit, da 
Savanorala in Italien wütete und in Flammen ausgehen 
hieß, was denen im Süden das Leben schön und begehrens- 
wert machte. 
Scheiterhaufen für die Kunst, das blieb dem Norden wohl 
erspart. Auf eine andere Art aber drohten die Mächte der 
Tiefe bei uns das Schöne zu vernichten: die Kunst wurde 
dämonisiert. Wir haben ein Werk, das wie ein Sinnbild 
die ganze Bewegung in Eins zusammenfaßt: die Versuchung 
des heiligen Antonius, ein Kupfersiichblatt Martin Schon- 
gauers. Wie die neun Unholde da die edle Gestalt des Heiligen 
von allen Seiten anfauchen, an ihr zerren und kratzen und
        

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