Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941944
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Wanderfahrt und Heimkehr. 
wie die Steinmassen rechts hätte er sich später nicht hingehen 
lassen. 
,,Der heilige Hieronymus-". Kein Heiliger hat Dürer 
mehr und tiefer zu denken gegeben als Sanktus Hieronymus, 
der uralte Mann, in Einsamkeit versunken, den nahen Tod 
vor Augen. Die erste Schilderung ist der schon erwähnte 
Titelholzschnitt aus der Baseler Zeit. Sie ist noch ohne tieferen 
Belang. Von der Straße einer gotischen Stadt her, die wir 
durch die offene Tür gewahren, ist der Löwe mit dem Dorn 
in der Tatze ins Zimmer gekommen; wie ein Kranker, der 
gehorsam die Sprechstunde abgewartet hat. Der Heilige 
empfängt ihn in seinem behaglichen Gelehrtenheim und unter- 
sucht den Fall. Damals erst scheint Dürer, angeregt durch die 
Hieronymusausgabe, stch genauer mit dem Heiligen be- 
schäftigt zu haben, dessen Wesen er dann in seelisch immer 
tieferer Weise nahekam. In unserem Kupferstich (der wohl 
auf 1493 anzusetzen ist) bleibt er noch halb anekdotisch 
äußerlich. Die Kasteiung mit dem Stein ist dargestellt. 
Doch weder Zerknirschung noch ein Wiihlen im Schmerz 
mag Dürer schildern. Ein gütiger Alter, ganz Hingebung 
san das Kruzifix vor ihm, das ist der Heilige, wie er ihn fühlt. 
Das letzte Mal, daß Dürer uns ganz auf gotisch kommt, 
ist eine Maria auf dem Halbmond. Ein Heiligenbildchen, 
ins Gebetbuch einzukleben, kaum mehr. Die Mondsichel 
trägt ein menschliches Gesicht, das von den Füßen der Ma- 
ria zertreten wird. Dürer hat diesen aus der vergangenen 
Kunstiibernommenen Zug später nur noch einmal angewendet: 
in einem Marienbild vomJahre 15o8 (in Klammern wärezu be- 
merken:esistein Jrrtumder späteren Kunst, wenn sie die Mond- 
stehet umdeutet in einen Thronschemelder Maria; Maria zertritt 
vielmehr den Mond nicht anders als auch Michael den Drachen; 
für den nordischen Vo"lksglauben ist der Mond stets eine feind- 
liche, von der Sonne Zu vernichtende Macht).
        

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