Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941130
1. Zwifchen zwei Welten. 
I. 
Die Weltuhr ging auf fünfzehnhundert. Über Deutsch- 
lands heiligem Boden lag prangende Sonne. Kathedralen 
funkelten in ihrem Licht, hoch gen Himmel ragende Bauten, 
deren Gleichen die Menschheit nie vordem gesehen. Welch 
ein Stil der Pracht und des Stolzes! Im endlosen Ge- 
folge seiner Bildnereien und prunkvollen Formen stand 
solch ein Dom wie ein Fürst inmitten eines Triumphzugs. 
Glanz strahlte er aus, und Glanz empfing, was in seiner 
Nähe wurde. Der Brunnen am Marktplatz, sprudelnd in 
Formenreichtum, er selbst eine steinerne oder erzene Wasser- 
kunst, das Rathaus dahinter, Kaufhallen, Gewandhäuser, 
Gildeheime, hoch gegiebelt sie alle, und bis in die schmaliten 
Gassen hinein Patrizierbauten mit Wappenschildern und Er- 
kern, geschnit3tem Gehälk und blitzenden Scheiben: so lag die 
deutsche Stadt in jenem Jahrhundert der Erwartung. 
Vom Hochland zur Küste war es das gleiche Bild. Im 
ganzen Deutschland gab es keinen Gan, wo nicht behaglich 
sich sonnende Städte die Landschaft lichter machten. Im 
Norden war es die Hansa, von England bis ins Russische 
hinüberlangend in einer einzigen gesireckten Front, die der 
deutschen Kultur Vormacht und Stützpunkt war. Von allen 
Städtern damals hatten die Hanseaten vielleicht den weitesten 
Blick. Seelust fegte durch ihre meisten Städte. Noch immer 
hat der Horizont des Meers den Menschen ein freies Denken, 
Ausdauer und Kühnheit verliehen. Wie offenen Sinnes der
        

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