Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941834
5. Wandcrjahrc und Heitnkehr. 
I. 
,,Und da ich ausgedient hatt, schickt mich mein Vater hin- 
weg, und bliebe vier Jahr außen, bis daß mich mein Vater 
wieder fordert. Und als ich im 149o Jahr hinwegzog nach 
Ostern, darnach kam ich wieder, als man zählt 1494 nach 
Psingsien." 
Das ist alles, was der Ehronist Dürer von seiner vier- 
jährigen Wanderschaft zu sagen hat. Seine Wortkargheit 
grade an dieser Stelle muß Neuere befremden. Vier Jahre 
war er als Wanderbursch draußen, ganz auf sich selbii gestellt, 
ein junger Mann um die zwanzig. Man denkt sich, das müßten 
doch die großen Ferien seines Lebens gewesen sein, voll von 
Erlebnissen, die als Erinnerung ein Leben vorhielten. 
Eine solche Vorsiellung aber ist falsch. Zur Erholung 
schickte man die jungen Leute nicht auf die Fahrt, und Wander- 
vogelskimmung kam nicht auf bei einem, der sich sein täglich 
Brot suchen mußte. Auch eine Studienreise, in der man auf 
Bildiioss ausgeht wie der Botaniker auf Pflanzen, war die 
große Wanderzeit gewiß nicht. Sie war vielmehr in den 
meisten Fällen kaum als etwas anderes als die Fortsetzung der 
Dienstzeit in neuer Umgebung. Es konnte sein, daß der 
Geselle durch viele Städte kam, ehe er die rechte Arbeit 
traf. Dann aber blieb er auch auf lange Zeit fest, vielleicht für 
immer. Diirers Vater, und ebenso seinem Lehrer Wohl- 
gemut war es nicht anders ergangen. Er selbst wäre viel-
        

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