Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941702
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Bei den Eltern. 
Rundsi"äbe und Rippen, läßt keiner Strebe mehr ihren un- 
gebrochenen Zug, und den Turm vollends hat es ganz und 
gar ausgezehrt und aufgelöst. 
Die Künstler, die ,,Vol1er Gestalt- waren, gingen wacker 
dagegen an. Ihre Gebilde, tierische wie menschliche, heilige 
und unheilige setzten sie hinein in das Geheck wo es am 
dichtesten war. Das aber ist stärkeren Triebes. Die deutsche 
Kunitgeschichte des 15. Jahrhunderts ist, wie im Ornamentalen 
ein steter Aufsiieg, so im Figiirlichen bis nahe ans Ende ein 
steter Niedergang. Ein Manirismus greift um sich, der alle 
miihseligen Errungenschaften bildlicher Gestaltung wieder 
wanken macht. Folgen wir dem Gang der Dinge, so meinen 
wir, nur wenige Jahrzehnte der Entwicklung damals müßten 
hingereicht haben, auch den letzten Rest noch zu vertilgen. 
4. 
Das ist der Augenblick, in dem der junge Dürer einseizt, 
und mit ihm eine Kraft, die nicht zu brechen ist. Von Anfang 
an zeigt er den unbeugsamen Willen zur GesiaIt. Es be- 
herrscht ihn wie ein Dämonion. Wo irgendein Mittel in Sieht 
kommt, gegen die Gefahr der Ornamentik anzugehen, da 
stürzt er Ich drüber. Mit heißem Bemühen ergründet er, 
was die Kunsi seiner Zeit, die nahe und ferne, an Andeutungen 
hergibt und baut es aus. Er geht unter die Gelehrten, wird 
selbst ein Gelehrter, die Gesetze des Figürlichen Ich eigen zu 
machen. Das läßt ihn nicht los bis an sein Lebensende, hier 
ringt er, wie nur je ein Mensch mit einer unsichtbaren Kraft 
gerungen hat. ,,Jch lasse dich nicht  
.Dürer stand nicht allein. Es wäre unwahr, die Arbeit 
anderer Künsiler, die Entsprechendes wollten, zu übersehen 
oder zu verkleinern. Allein in Nürnberg haben wir treibende 
Mächte wie Adam Krafft, Veit Stoß, Peter Vischer. Un-
        

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