Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941376
Die Offenbarung Johannis. 
Stimmen des Apokalyptikers. Indem er so handelt, mehr 
triebhaft als absichtlich, bringt er zu seinem Teil Gesundung 
in eine krank gewordene Zeit. Ein bekanntes Wort ab- 
wandelnd können wir wohl sagen: die Offenbarung Johannis, 
wie .Dürer sie gab, das war schon die Neformation unterwegs. 
2. 
Wir greifen nun zum Buche selbst. 
Für den Holzschnitt hatte Dürer sich entschieden. Das 
war für einen Künstler, der ins Volk dringen wollte, fast selbst- 
verständlich. Auf allen Jahrmärkten und bei Heiltums- 
fahrten jeglicher Art, war man gewohnt, solche Blätter und 
Bücher zu finden. Im F,)olzschnitt konnte der Maler Volks- 
reden fürs Auge halten, oder auch, wenn er es danach hatte, 
Predigten fürs Auge. Dürer traute stch viel zu. Er ging er- 
staunlich ins Format. Einzelne Blätter von solchem Umfang 
kannte man wohl schon, ein ganzes Buch aber, ausschließlich 
aus ihnen zusammengesetzt, das war etwas Neues. Schon 
das war angetan, die Leute aufmerksam zu machen. 
Wie aber: wenn sie nun das Buch mit dem fesselnden 
Titel aufschlagen und Blatt auf Blatt umwandten, war 
dann das, was sie hier sahen, nicht eine starke Zumutung? 
Der Gegenstand war volkstümlich, daran war kein Zweifel. 
Konnte er aber seine Volkstümlichkeit behaupten auch bei der 
besonderen Art der Darstellung, die ihm hier gegeben war? 
Ein nur an moderne Kunstwerke gewöhntes Auge kann 
kaum daran glauben, so viele Hindernisse bieten stch ihm. 
Wie soll man das wohl auseinandersehen! Das rankt und- 
wuchert uns entgegen und verfilzt sich, so wild und so wirr, 
daß es uns fast undenkbar scheint, es könne jemals Menschen 
gegeben haben mit Augen, die das vom Blatt herunterlasen.. 
Tatsächlich ist der Dürersche Holzschnitt im Vergleich
        

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