Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943963
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Die Erneuerung. 
führte. Der Stich gibt den augejahrten Humanisien, in dessen 
Augen Spannung und Blick erst kommt, wenn sie auf das 
Buch gerichtet sind statt auf das gemeine Leben. Wir wissen, 
wie dieser Mann, einst ein so fehdebereiter Kämpfer gegen 
die geistige Fremdherrschaft, schließlich doch vor Luthers Tat 
versagte. Er fürchtete für einen Aufstand unmündiger Geister 
und unfreier Seelen, sein Patrizierbewußtsein bciun"tte sich 
dagegen aus. Gleichviel: nur das 8eitalter Luthers, das 
deutsche Jahrhundert konnte diesen Kopf, diese vom Geist 
gebündigte Kraft so formen. 
Die andere Gattung des deutschen Denkers gibt der 
Melanchthonkopf. Das Gesicht lebt noch, und es wird Dauer 
haben, so lang das deutsche Wesen lebt. Ein Mann, der 
wenig auf sein Äußeres gibt, der sich nirgends in der Wirklich- 
keit so recht an seinen Plaß hinsi'ndet, hinter dessen hoher 
Stirne aber eine ganze Welt Raum hat, und dessen leuchtend 
gutes Auge gleichfalls Sonne strahlt. Dürer fühlte manch 
verwandten Zug in dieser stillen Natur, er schloß sich eng 
sMelanchthon an, als der in den zwanziger Jahren häufiger 
nach Nürnberg kam, um dort bei der Errichtung einer höheren 
Schule nach dem Rechten zu sehen. Melanchthon hat viel 
von den Gesprächen erzählt, die sie führten, und sein Urteil 
war, Dürer sei ein Weiser zu nennen, an dem die künstlerische 
Begabung, so stark sie auch war, doch nur das Wenigste 
bedeutete. 
  4. 
Anfang Oktober x526 richtete Dürer an den Niirnberger 
Rat das folgende Schreiben: 
,,Fürsichtig, ehrbar, weis liebe Herren! Dieweil ich vor- 
längsi geneigt wär gewest, Euer Weisheit mit meinem klein- 
wirdigeu Gemäl zu einer Gedäohnus zu verehren, hab ich doch 
Solche? aus Mangel meiner geringschäizigen Werk unterlassen
        

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