Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941334
2. Die Otfenbarung Johannis. 
I.  
Die Offenbarung Johannis hatte in Deutschland den 
Ruf eines Wahrsagebuches bekommen. Man empfand die 
apokalyptischen Weissagungen als an die unmittelbare Gegen- 
wart gerichtet. Von den unheilvollen Zeichen, in denen man 
das Ende angesagt wähnte, waren einige in der Apokalypse 
beschrieben bis ins letzte. Der Weltuntergang selbst wurde mit 
der nämlichen Bestimmtheit verkündet, die man von den be- 
rühmten Aiirologen gewöhnt war. Wo so viel zutraf, da 
schien es vermessen, an Einzelheiten zu deuteln. Dem ganzen 
Buch wurde geglaubt, und was von seinen großen Ereignissen 
noch nicht eingetreten war, das war gewiß noch zu erwarten. 
Soweit erklärt sich die breite Volkstümlichkeit der Apoka- 
lypse grade in der Zeit der Erwartung. In Tafeldrucken 
und ebenso in Blockbiichern, jenen überall hin verbreiteten 
Bilderfolgen mit kurz erläuterndem Text (Schrift und Bild 
noch auf demselben Block geschnitten; wir kommen darauf 
zurück), wurde der Stoff mehrfach behandelt. Die Kölner 
Bilderbibel von 148o und die nach ihr in Nürnberg er- 
scheinende begleiteten keinen Abschnitt der Schrift mit soviel 
Bildern als eben die Apokalypse. Das alte Buch war von 
brennendem Tageswert. Schon dehalb hatte ein junger 
Künstler von Dürers Schlag wohl Anlaß, klar zu ihm 
Stellung zu nehmen. 
Dazu kommt ein Anderes, zeitlich minder Begrenztes, 
was es zugleich begreifen läßt, warum die Apokalypse lange
        

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