Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943878
Die Erneuerung. 
Offenbarung" Dürers. Die Neformation felbß, Fleisch und 
Blut geworden und am Ziel, blickt uns an aus den Männer- 
bildnisfen und den heldifchen Gei?alten, mit denen Dürer fein 
Lebenswerk beschließt. 
2. 
Frischer Anregungen voll und nach Arbeit drängend wie 
einst aus Italien kehrte der fünfzigjährige Dürer aus den 
Niederlanden zurück. Diesmal aber lag es über seiner 
Schaffensfreude wie ein schwerer Schatten. Jn Seeland hatte 
ihn ein Leiden ergriffen, das ihn bis ans Ende nicht mehr 
frei ließ. Er sah den Tod vor Augen, nnd kein Arzt war zu 
finden, der ihm helfen konnte. War es diese heimliche Qual, 
die ihn trieb, noch einmal das Leiden unseres Herrn zu erzählen. 
Die Stimmung des Tages war sonst anders gerichtet: 
sie drängte zur Tat und entschlossenem Handeln, nicht zu ver- 
grübelter Beschaulichkeit. Dürer selbst war so ganz von ihr 
erfüllt, daß alles, was er fortan noch zu Ende führen konnte, 
nur ihr gehörte. Wie Fremdkörper liegen dazwischen die 
Entwürfe einer letzten Passion. Sie sind bis auf ein einziges 
Blatt Entwürfe geblieben, mußten es bleiben, da die Stimme 
der Gegenwart zu laut nach Dürers Arbeit rief. Die große 
Kunsigeschichte mag so das- unoollendete Werk entbehren 
können: für Dürer selbst ist es aber einergreifendes Zeugnis, die 
stille Klage dieser Blätter, die Auseinanderseizung eines in 
seiner Qual vereinsamten Menschen mit dem Erlöser, in dessen 
Leiden er sich in schweren Stunden immer inniger einfühlen 
lernte. 
Das erste Blatt, schon 152o, ein Jahr vor der Krankheit 
-entstanden, sieht noch außerhalb der Reihe. Es ist eine 
.Kreuztragung (jetzt in Florenz). Die erste Anregung mag 
Dürer beim Schauspiel jenes feierlichen Umgangs gekommen 
fein, der sich am Himmelfahrtstag mit seinen Gruppen
        

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