Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-941319
5. 
Im Stadtbild Nürnbergs drängte sich uns alles Schöne 
und Hohe der mittelalterlichen Stadt in eins. Dasselbe Bild 
soll uns ein Spiegel sein für die geistig-geistlichen Kämpfe 
-am Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Unter allen deutschen Städten war Nürnberg der 
deutschesten eine auch in der Gesinnung. Treu hatte es zu 
einem freien, unabhängigen Kaiser der Deutschen zu jeder 
Zeit gestanden, voll Mißtrauen gegen das Papsttum jenseits 
der Berge. Was irgend sich gegen kirchlichen Sklavensinn 
regte und für ein frankes Denken, fand klaren Widerhall in 
dieser herrlichen Stadt. Die Geschichte der Waldenser weiß 
davon, und Huß gar, als er von Konstanz herüberkam, ward 
wie ein Fürst im Triumphzug empfangen. Eifersüchtig war 
man bedacht, daß das Bürgertum selbst die Wahl der Pfarrer 
und Pröpste im Stadtgebiet entschied. Bei den Kirchen- 
mysterien, die das große Bangemachen fördern sollten, war 
es Nürnberg gewesen, das ein Gegengewicht fand in der 
Durchsetzung mit weltlich umdeutenden Zügen. Das Spott- 
lied und der gesund überwindende Humor des Volkes waren 
nirgends ausgelassener als in der Frankenstadt. Bis nach 
Italien hin war der ,,Nürnberger Witz-" bekannt und ge- 
fürchtet. 
Nürnberger Witz-,von einer überlegeneren Art nur als der 
im niederen Volke, war auch in den Humanisten wirksam, 
die eben damals, wenige Jahre vor Schluß des Jahrhunderts 
in Nürnberg sich durchzusehen wußten. Antikischer Geist, 
antikisahe Welt- und Sinnenfreude erfüllte ihr Denken und 
machte sie standhaft gegen Wahngebilde. Wäre der Huma- 
nismus eine volkstümliche Sache gewesen, hätte eine ge- 
schlossene Fühlung bestanden zwischen dem Trulzgeist unten 
und dem Trutzgeist oben, so war es wohl möglich, daß jeder 
Anprall Von außen an solchem Bollwerk zerschellte. Allein die
        

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