Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943712
Stille Jahre und Weltlärm. 
26t 
hält er Naß, stößt seinen Kreuzstab mit dem Glöckchen ins 
Gras und zieht ein Buch hervor: er will sich sammeln, ehe er 
unter die Menschen kommt.  Kluge Männer haben viel 
Schönes gesagt von den Freuden, die ein schönes Buch uns 
geben kann. Nie aber wurde das hohe Lied des Buches 
reiner angesiimmt als in diesem kleinen Blatt. Wie lauscht 
der alte Einsiedelmann der stummen Rede seines Büchleins! 
Wie zärtlich umspannen es die Finger! Wie umfängt er es 
mit seiner ganzen Gestalt! Bis in die Zehenspiizen hinein 
ist er ganz Aufmerksamkeit. Wenn wir es nicht längst schon 
wüßten, dann erführen wir es hier, welch ein begeisterter 
Freund von Büchern Albrecht Dürer war. 
Z. 
Als kranker Mann schied Maximilian am 28. September 
1518 von Augsburg. Eine seiner letzten Anordnungen war, 
daß er Martin Luther, dessen Ankunft in einigen Tagen er- 
wartet wurde, der Milde des päpsilichen Sendboten empfahl. 
Beim Wegreiten wandte er sich noch einmal um und sprach 
die müden Worte: ,,Segne dich Gott, du liebes Augsburg, 
und alle frommen Bürger drinnen. Wohl haben wir manchen 
guten Mut in dir gehabt, nun werden wir dich nicht mehr 
wiedersehen." Er hatte wahrgesprochen: in der Einsamkeit 
der Welser Burg in Oberöskerreich ist er am 12. Januar x519 
gestorben. Mit ihm starb die alte Zeit. Für das ganze Deutsch- 
land kam nun eine Wende, wie sie der Augsburger Reichstag 
beim Nahen Luthers erfuhr: jenseits das alte Reich und seine 
Herrlichkeit, diesseits eine harte, düsiere Zeit mit dem ehernen 
Gebot, sich neu sein Erbe zu erwerben. 
Maximilian war tot: auch für Dürer war das eine 
Lockerung von alten Sicherheiten. Noch waren ihm die 
Vom Kaiser zugesagten 2oo Gulden nicht ausgezahlt. In einer 
Eingabe vom 24. April schickt er dem Rat die kaiserliche An-
        

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