Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943666
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Stille Jahre und Weltlärm. 
152o wurden die unseligen Kreise ihm zum Heile gesiört durch 
zwei notwendige Reisen; nach Augsburg führte die eine, die 
andere in die Niederlande. 
2. 
In Augsburg ging es laut her zu jener Zeit. Reichstag 
war angesagt. Maximilian zog ein, am ersten Augusttag, 
und mit ihm die hehre Sinnenfreude und Feiertagsstimmung, 
die kein Gewölk am Himmel litt. Großes sollte entschieden 
werden. Von Rom entsandte der Papst dem deutschen Kaiser 
Degen und Sturmhut zum Kriege gegen die Türken. Daraus 
nun freilich wurde nichts. Was Degen und Sturmhut! 
Rom schien der deutschen Christenheit ein schlimmeres Ärgernis 
als der Jslam. Die Dinge da hinten in der Türkei hatten 
keine 8ugkraft mehr; wenn Leo vermeinte, mit ihnen dem 
Reichstag Farbe zu geben, so ward seine Hoffnung schmählich 
enttäuscht. Trotzdem: die ses'tliche Stimmung wurde kaum 
unterbrochen. Ihm Wichtigeres hatte der Kaiser im Sinn. 
Von den fünf Kurfürsten dachte er sich die Wahl seines Enkels, 
des spanischen Karl, zum deutschen König zu sichern. Wohl gab 
es auch da manchen Vorbehalt, aber ein bindendes Gelöbnis 
kam doch zustande, und Maximilian konnte zufrieden sein. 
So war es im Sommer des Jahres. Anders kam es 
im Herbst, so gründlich anders, daß dieser denkwürdige Reichs- 
tag für uns ein Ianushaupt trägt, das in zwei Welten schaut. 
Vom Norden her kam der streitbare Mönch, dem Gaetaner 
Kardinal Rede und Antwort zu stehen. Wir sehen sie ein- 
ander gegenüber, den vornehmen Herrn im Purpurmantel 
und den plumpen Deutschen, der für eine Sache um ihrer 
selbst willen stand. In seiner unbeugsamen Gradheit war er 
dem Gentiluomo der Kirche so zuwider, daß der die Herrschaft 
über sich selbst verlor und die deutsche ,,bestia" nicht mehr 
sehen wollte. Luthers Verhandeln mit Gaeta, und Luthers
        

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