Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943625
14. Stille Jahre und Weltlärm. 
I. 
Drei siille Jahre folgen. Ihre künstlerische Ernte ist für 
die Triebkraft eines Dürer nur gering und steht in starkem 
Gegensatz zu der Fruchtbarkeit der vergangenen Jahre und 
derer danach. Und noch etwas anderes fällt auf, wenn man 
sich ihnen nähert mit der frischen Erinnerung an das ,,Gebet- 
buch": die merkwürdige Kälte, das Ausgeklügelte bei den 
meisten dieser Arbeiten. Wir nehmen als bezeichnendes Ge- 
mtilde das Augsburger Marienbild mit der Jahreszahl 1516. 
Man möchte fast an eine Fälschung glauben, so taub im 
Ausdruck ist dieses Werk, so wenig aus dem innigen Gefühl 
heraus für unsere liebe Fraue; selbst die vornehmen Damen 
aus der Benezianer Zeit sind eines reicheren Lebens voll. 
Aber eine Fälschung ist es nicht, die sorgsamsie Prüfung hat 
die Echtheit anerkennen müssen. Zudem steht dieses Werk 
ja auch nicht allein. Eine große Aktfigur, zum ,,Selbstmord 
der Lukretia" hergerichtet (München), der Kopf einer ,,betenden 
Maria" (Berlin), so verschiedenes sie gegenständlich sagen, 
haben doch gemeinsam das Kalte und mühselig Erdachte. 
Was ging in Dürers Seele vor, das seine Arbeit eine so scharfe 
"Wendung machen ließ? 
Der andere in ihm, der Grübler und Gelehrte hatte 
wieder einmal Macht gewonnen über den Künstler. Maxi- 
milian hatte Dürer für seine treuen Dienste mit einem Leib- 
geding von hundert Gulden jährlich bedacht, der Sorgen 
um das tägliche Brot war er enthoben, und so konnte er jener
        

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