Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943391
Die Trilogie des Todes. 229 
-Gottes, wie ihn der federgetvandte Humanisk so wohl zu 
schildern weiß, war ganz gewiß keine erasmische Erfindung. 
Den Myikikern bereits war die Vorstellung eines Pilgrims 
.geläußg, dem Tod und Teufel zusetzen und doch nichts anhaben 
können, und ebenso die des sireitbaren Ritters als des rechten 
Gottesmannes. Dürer hatte keine Anleihen nötig, um ganz 
so wie die Tiefsten im Volk den Gottesmann zu empfinden: 
-aufrecht, unnahbar, nnerschütterliih. Das lag ihm im Blute. 
Wie der Reiter in die Schrecken der Todessohluoht einbiegt, 
" so auch zieht der Christus der kleinen PasAon in Jerusalem 
ein: unberührt von Not und Tod, die seiner harren. 
4. 
Hieronymus im Gehäus. Zur höchsten Auf- 
fassung ist Dürer hier emporgelciutert. An nahen Tod ge- 
mahnt auch dieses Blatt, doch es spricht von ihm geruhig, 
es hat in sich die tiefe Weisheit des Sterbens und doch 
Lebens. Mächtiger noch als das gelassene Draufzu des 
Ritters ist das nnbekümmerte An-sich-herantreten-lassen des 
Mannes im Gehäuse, den das Todesnahen nicht bei der 
Arbeit stören kann. 
Ofter als jeden anderen Heiligen hat Dürer den alten 
Hieronymus gesahildert; sechsmal im Druckwerk, einmal im 
Gemälde. Die zwei ersten Blätter, ein F2olzschnitt und ein 
Kupfersiich noch aus der Wanderzeit, sind uns bekannt. Der 
Holzschnitt, nur als Titelbild eines Buches gedacht, ist noch 
ganz äußerlich. Hieronymus ist nur der große Gelehrte, der 
die Bibel iibersetzte, und der in seinem c"irztlichen Nebenamt 
den berühmten Fall mit dem Löwen hatte.  In dem etwa 
ein Jahr späteren Kupferstich begegnen wir schon dem uralten 
Mann, von Einsamkeit umgeben, des nahen Todes gewiß.
        

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