Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943235
Die beiden anderen Fälle gehören dem Jahre 1511. Auf 
einem fliegenden Blatt bemüht sich eine klapprige Beingestalt, 
mit dem Stundenglas einem Landstnecht Furcht einzu- 
jagen, ohne indessen viel Eindruck zu machen. Der letzte Fall, 
ganz dem dritten Blatt der Trilogie entsprechend, ist ein 
Hieronymus in der Zelle, ein Holzschnitt; an der Wand hängt 
das Stundenglas wie ein StückHausrat, das zu der besonderen 
Einrichtung des Hieronymus nun einmal unerläßlich ist. 
Jst nach diesen wenigen Fällen jede 8ufallserklärung 
ausgeschlosPn, so kann über die weitere Frage, was das 
Stundenglas oder die Sanduhr zu bedeuten habe, keinerlei 
Zweifel sein. Ein Sinnbild des Todes, des zu Ende laufenden 
Lebens, nichts anderes ist die Sanduhr für die bildende Kunst 
stets gewesen. So sehen wir sie schon auf einem Sarkophag 
des Palazzo Mattei in Rom in der Hand des Morpheus, 
und so hat sie die Kunst des Mittelalters immer wieder an- 
gewendet. Jm Haushalt war die Sanduhr noch immer als 
ein bequem-es Zeitmaß für bestimmte Zwecke im Gebrauch, 
und doch ließ man sie fort, wo ein behaglicher Jnnenraum 
geschildert werden sollte. Sie hatte eine zu unheimliche Neben- 
Bedeutung, das Gerippe hantierte mit ihr so bedrohlich wie 
mit der Sense: nur in einem ernst mahnenden Kunstwerk 
mochte man daran erinnert sein. Zu einem Doppelleben war 
das Stundenglas damit bestimmt. Was im Alltag als etwas 
harmlos Selbstverständliches betrachtet wurde, empfand man 
im Bild als unzweideutige Drohung. 
Mit anderen Augen als vorher sehen wir das Dreiwerk 
Dürers nun: der Tod schwebt über diesen Gebilden, sie konnten 
erstehen nur in einer Zeit, in der Gedanken über das Ende 
mächtiger als sonst in die Seele des Künstlers eindrangen-; 
einer Zeit, in der er sich gezwungen sah, Standpunkt zu nehmen 
zu einem Rätsel, das ihn, den stetig Schaffenden, sonst nicht 
viel quälte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.