Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943221
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Die Trilogie des Todes. 
kamen und gingen, hat Dürer ganz aus den Augen verloren, 
nie war man im Zweifel, daß die drei Blätter Wesentlichikes 
seiner Lebensarbeit enthielten, und so suchte man auch immer 
wieder Auskunft über die dunkle Frage ihres Zusammenhangs. 
Es ist nicht geboten, noch einmal Antwort um Antwort her- 
zuzählen, denn keine ist drunter, die ihrer Sache sicher wäre; 
wenn sie es schienen, so kamen sie Dürer mit einer Forderung, 
daß er eine unfertige Reihe aus der Hand gegeben habe, und 
aus eigenem Ermessen ergänzten sie ihn. Unsere Sache ji? es 
nicht, zu widerlegen, und so wollen wir über allen Meinungs- 
1ireit hinweg uns mit den Werken selbst verbinden.  
Dürer war, als er sich dem Grisfelwerk wieder zuwandte, 
über die italische Kahlheit hinausgewachsen. Er bekannte 
sich wieder zur gotischen Freude am Vielerlei des Beiwerks. 
In unsern drei Blättern liegt es in allen Ecken und Winkeln 
umher und freut sich seines kleinen Lebens. Es kommt recht 
Unterschiedliches beisammen, doch nichts ist wiederholt  bis 
auf eins: zu Häupten der Melancholie hängt neben dem Toden- 
glöckchen ein Stundenglas; der Tod auf dem Neiterbild weist 
dem Gewappneten ein Stundenglas; im Gehäuse des 
Hieronymus verkriecht sich im hintersten Winkel, dem ein- 
zigen, wo man sich in all dem sonnigen Wohnsiubenbehagen 
ein mürrisches Spinngeweb denken könnte, ein Stundenglas. 
Das könnte Zufall sein, ein Lieblingsmotiv, wie es jeder 
Künstler einmal hat und dann gelegentlich ohne jede Ver- 
bindlichkeit zur Anwendung bringt. Aber Dürer ist kaum 
mit einem Sinnbild weniger leichtfertig gewesen als mit 
diesem. Nur dreimal kommt es noch in seinem Druckwerk" 
vor. In einem frühen Kupferiiich (um 1495) zeigt er ein 
Liebes-paar, das sich im Freien ergeht, die Frau hochschwanger. 
Hinter den beiden lauert, von einem Baum halbverdeckt, 
der Tod, auf dem Schädel das Stundenglas, wie auf dem 
Sprunge, über die Frau in ihrer schweren Stunde herzufallen.
        

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