Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943043
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Der MensohenfVI)U- 
ohne daß doch von Helden selbst eine klare und einheitliche 
Vorsiellung mitgeteilt wurde. 
Das is! die Überlegenheit der kleinen Passion über die 
große, daß in ihr der Held der Ereignisse mit der Klarheit 
eines Geiiohtes gesehen wird. Und das ist der weitere Vorzug, 
daß die Art dieses Helden zum erstenmal seit Heliandtagen 
eine solche iß, wie sie ohne weiteres dem nordischen Menschen 
glaubhaft und überzeugend erscheint. 
2. 
Zwei Lieder klingen in uns auf, wenn wir die Geschichte 
Jesu uns durch das Mittel der Tonkunst gegenwärtig halten 
wollen. ,,Ein feste Burg ist unser Gott" das eine, und das 
andere ,,O Haupt voll Blut und Wunden". Es sind Lieder 
von scheinbar sehr verschiedenem Wesen, und dennoch fühlen 
wir das Einheitliche in ihnen, das einander Ergänzende, das 
erst in dieser Mischung dem Mann der neuen Botschaft den 
Charakter gibt, der unserer Auffassung des Heldischen ent- 
spricht. Es ist Dürer gelungen, das Auseinanderstrebende 
in eins zu fassen und damit die Gestalt des Erlösers so zu 
kennzeichnen, wie wir seitdem sie gar nicht anders mehr uns 
denken können. 
Behaglicl) wie ein Volkserzähler, der nichts auslassen 
mag, setzt Diirer ein mit der Geschichte vom Sündenfall und 
der Vertreibung, der unseligen Sache, ohne die alles gut 
gewesen wäre. Es ist in diesen Blättern, und ebenso in den 
zwei nächsten, ,,Verkündigung" und ,,Geburt Christi-, noch 
viel vom Märchenton des Marienlebens. Doch schon die 
folgende Seite, ,,der Abschied", bringt die Wendung ins Ernste. 
Gleich danach dann mit vollem Klang der eigentliche Passions- 
ton: ,,Chriski Einzug in Jerusalem-".
        

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