Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Albrecht Dürers
Person:
Pastor, Willy
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-940158
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-943014
1 1. Der Menscl)cnsohn. 
I. 
Das Jahr 15o9, in dem Dürer sein Marienbild aus der 
Werkstatt gab in dem Gefühl, mit ihm eine Kunde seines 
Ruhmes in die Zukunft zu entsenden, ist von Bedeutung auch 
für seine äußere Lebensgeschichte. Das väterliche Haus 
unter der Besten hatte er bis dahin in gemeinsamem Besitz 
mit seinem Bruder Andreas bewohnt. Nun bot sich die 
Gelegenheit zum Ankauf eines Hauses, das er ganz sein 
eigen nennen konnte. Der Askronom Bernhard Walther, 
des großen Regiomantanus beriihmtester Schüler, war ge- 
storben. Sein Haus beim Tiergärtner Tor, das Eckgebäude 
an der 8isfelgasse, ,,gegen Sonnenaufgang siehend", kam 
zum Verkauf. Diirer erwarb es für 275 rheinifche Gulden, 
in barem Golde zu zahlen. 
Es ist das aller Welt bekannte Dürerhaus in Nürnberg, 
ein Walfahrtsort der geistigen Menschheit wie die Luther- 
skube auf der Wartburg oder der Goethesii5 in Weimar. 
In diesem Hause, in dem Raum, den wir wohl alle mindestens 
im Bilde kennen, wurden die geiskigen Kämpfe ausgetragen, 
denen wir unverlierbare Werte unseres geistigen Besitzes 
danken. Härter waren sie nie als in den ersten Jahren, die 
Dürer hier gehaust hat. Damals geschah es, daß er das 
lehre Fremde in sich niederrang, daß er der Kunst in Deutsch- 
land die Wege freilegte zu deutscher Art. 
,,Meines Stechens will ich auß warten" schrieb Dürer an 
Jakob Heller, als er ihm seinen Entschluß mitteilt, Niemand
        

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